Weniger Krankenkassen, weniger Kosten? Daten sprechen dagegen

Verwaltungskosten: Kleine und mittelgroße Krankenkassen schneiden laut Auswertung günstiger ab als Großkassen

Die Forderung nach einer drastischen Reduzierung der Zahl der gesetzlichen Krankenkassen wird mit möglichen Milliardeneinsparungen bei den Verwaltungskosten begründet. Eine Auswertung von gesetzlichekrankenkassen.de kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis: Gerade mittelgroße und kleinere Krankenkassen weisen demnach im Durchschnitt niedrigere Verwaltungskosten je Versicherten auf als die großen Kassen. Auch die FinanzKommission Gesundheit sieht kein nennenswertes Einsparpotenzial durch eine weitere Konzentration der Kassenlandschaft.

Die Diskussion über die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen ist mit der gesundheitspolitischen Debatte um eine Reform der GKV erneut in den Mittelpunkt gerückt. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann hatte sich bereits für eine deutliche Reduzierung der derzeit 93 Krankenkassen ausgesprochen. Ziel sei unter anderem, das aus seiner Sicht erhebliche Verwaltungsvolumen zu reduzieren.

Die vorliegenden Daten zeichnen allerdings ein differenzierteres Bild. Nach Angaben der FinanzKommission Gesundheit machen die Nettoverwaltungsausgaben der Krankenkassen rund vier Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung aus. Zudem sei der Anteil rückläufig. Ein relevantes Einsparpotenzial allein durch eine weitere Verringerung der Kassenzahl habe die Kommission nicht feststellen können.

Auch ein Blick nach Österreich liefert demnach kein eindeutiges Argument für eine stärkere Konzentration. Dort wurden die zuvor neun Gebietskrankenkassen im Jahr 2020 zur Österreichischen Gesundheitskasse zusammengeführt. Nach der im Beitrag angeführten Analyse des Linzer Instituts für Gesundheitssystem-Forschung stiegen deren Verwaltungsausgaben zwischen 2020 und 2024 um 25 Prozent. Die Verwaltungsausgaben der Krankenkassen in Deutschland erhöhten sich im gleichen Zeitraum dagegen lediglich um sieben Prozent.

Die FinanzKommission kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass empirisch kein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Größe einer Krankenkasse und ihren Verwaltungskosten je Versicherten besteht.

Eine Auswertung der öffentlich zugänglichen Zahlen für das Jahr 2024 durch gesetzlichekrankenkassen.de stützt diese Einschätzung. Demnach lagen die durchschnittlichen Nettoverwaltungskosten bei den 16 Krankenkassen mit mehr als einer Million Versicherten bei 185,66 Euro je Versicherten.

Deutlich günstiger schnitten die 34 Krankenkassen mit zwischen 100.000 und einer Million Versicherten ab. Hier lagen die durchschnittlichen Verwaltungskosten bei lediglich 162,65 Euro je Versicherten und damit mehr als 13 Prozent unter dem Wert der Großkassen.

Auch die 43 Kassen mit höchstens 100.000 Versicherten lagen mit durchschnittlich 173,89 Euro je Versicherten unter dem Niveau der Großkassen. Allerdings weist diese Gruppe eine erhebliche Spannbreite auf: Die Verwaltungskosten reichten von 90,60 Euro bis 277,20 Euro je Versicherten.

Zahl der Krankenkassen bereits massiv reduziert

Ein weiteres Argument gegen einen direkten Zusammenhang zwischen Kassengröße und Verwaltungseffizienz ist die historische Entwicklung. 1993 gab es in Deutschland noch 1.221 gesetzliche Krankenkassen. Heute sind es 93. Die Zahl der Kassen wurde damit bereits massiv reduziert.

Wäre die Anzahl der Krankenkassen der entscheidende Faktor für hohe Verwaltungskosten, müsste sich diese Entwicklung nach der Argumentation der Autoren deutlich in den Verwaltungsausgaben niederschlagen.

Konzentration der Kassenlandschaft nicht automatisch effizienter

Thomas Adolph, Geschäftsführer des Vergleichsportals gesetzlichekrankenkassen.de, kommt deshalb zu einem deutlich anderen Schluss als die Befürworter einer weiteren Konzentration. Nach seiner Einschätzung seien insbesondere mittelgroße Krankenkassen bei den Verwaltungskosten günstiger als die großen Kassen.

Die vorgelegten Zahlen zeigen tatsächlich, dass die mittelgroßen Kassen mit 162,65 Euro je Versicherten den niedrigsten Durchschnittswert der drei betrachteten Größenklassen aufweisen. Die Großkassen liegen mit 185,66 Euro deutlich darüber.

Damit lässt sich zumindest anhand dieser Auswertung kein einfacher Zusammenhang „größere Krankenkasse = niedrigere Verwaltungskosten“ ableiten. Ob eine weitere Verringerung der Kassenzahl tatsächlich Milliardenbeträge einsparen könnte, bleibt damit eine politische Behauptung, für die die genannten Daten keinen eindeutigen Beleg liefern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert