DFSI: Kassengröße allein senkt Verwaltungskosten der GKV nicht
Analyse von 93 Krankenkassen stellt pauschale Fusionsziele infrage – Verwaltungskosten 2025 bei großen Kassen im Mittel höher als bei mittelgroßen
Eine geringere Zahl gesetzlicher Krankenkassen führt nicht automatisch zu niedrigeren Verwaltungskosten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung des Deutschen Finanz-Service Instituts (DFSI). Die Daten für 2024 und 2025 zeigen nach Darstellung des Instituts keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Kassengröße und Verwaltungskosten je Versicherten. Das DFSI spricht sich deshalb gegen politisch vorgegebene Mindestgrößen und Zwangsfusionen aus und plädiert stattdessen für mehr Wettbewerb und einheitlichere Aufsichtsmaßstäbe.
Die Untersuchung greift damit eine aktuelle gesundheitspolitische Debatte auf. Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann, der das Amt seit dem 29. Juli 2026 innehat, hat eine deutliche Verringerung der Zahl der gesetzlichen Krankenkassen ins Gespräch gebracht. (BMG)
Das DFSI untersucht vor diesem Hintergrund, ob größere Krankenkassen tatsächlich niedrigere Verwaltungskosten aufweisen und welche Bedeutung freiwillige Zusatzleistungen für Kosten und Wettbewerb haben.
Große Krankenkassen 2025 mit 198 Euro Verwaltungskosten je Versicherten
Für 2025 weist die DFSI-Auswertung über alle 93 gesetzlichen Krankenkassen durchschnittliche Nettoverwaltungskosten von 180,38 Euro je Versicherten aus.
Bei den 16 Kassen mit mehr als einer Million Versicherten lagen die durchschnittlichen Verwaltungskosten innerhalb des betrachteten Kassenkreises bei 197,97 Euro. Kassen zwischen 500.000 und einer Million Versicherten kamen dagegen auf 167,77 Euro, Kassen zwischen 100.000 und 500.000 Versicherten auf 181,96 Euro. Für sieben betrachtete Kassen unter 100.000 Versicherten weist das DFSI durchschnittlich 187,30 Euro aus.
Bereits die Daten für 2024 zeigten kein lineares Verhältnis zwischen Größe und Verwaltungskosten. Damals lagen Kassen mit mehr als einer Million Versicherten bei durchschnittlich 185,66 Euro, während die Gruppe zwischen 100.000 und 500.000 Versicherten auf 161,95 Euro kam.
Das Institut leitet daraus nicht ab, dass Fusionen grundsätzlich unwirtschaftlich seien. Größere Einheiten könnten etwa IT-Kosten verteilen, Doppelstrukturen reduzieren oder Einkaufsvorteile erzielen. Die Daten lieferten nach Auffassung des DFSI jedoch keinen Beleg dafür, dass eine bestimmte Kassengröße diese Effizienzvorteile automatisch erzeugt.
Freiwillige Leistungen machen nur 0,62 Prozent der Ausgaben aus
Einen zweiten Schwerpunkt legt die Untersuchung auf die Bereiche, in denen sich Krankenkassen gegenüber Versicherten unterscheiden können.
Alle 93 Kassen gaben 2025 laut DFSI rund 1,044 Milliarden Euro für die untersuchten Satzungsleistungen aus. Das entspricht durchschnittlich 14,01 Euro je Versicherten beziehungsweise rund 0,31 Prozent der gesamten Leistungsausgaben.
Werden Gesundheitsförderung und Bonusprogramme einbezogen, steigen die Ausgaben auf durchschnittlich 27,97 Euro je Versicherten beziehungsweise 0,62 Prozent der Leistungsausgaben. Die gesamten Leistungsausgaben lagen bei durchschnittlich 4.514,83 Euro je Versicherten.
Das DFSI warnt deshalb davor, bei finanziellen Problemen vorrangig freiwillige Leistungen zu reduzieren. Der mögliche Einspareffekt sei gemessen an den gesamten GKV-Ausgaben gering, während gerade diese Leistungen Unterschiede zwischen den Krankenkassen für Versicherte sichtbar machten.
DFSI fordert Wettbewerb statt politischer Mindestgröße
Deutschland hat bereits einen erheblichen Konzentrationsprozess in der gesetzlichen Krankenversicherung durchlaufen. Nach Angaben des DFSI sank die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen von 1.221 im Jahr 1993 auf aktuell 93.
Das Institut spricht sich nicht grundsätzlich gegen weitere Fusionen aus. Zusammenschlüsse könnten wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn dadurch beispielsweise IT- und Verwaltungsstrukturen effizienter organisiert werden. Kritisch bewertet das DFSI dagegen politisch festgelegte Mindestgrößen oder eine pauschale Zielzahl für die Zahl der Krankenkassen.
Stattdessen fordert das Institut mehr Transparenz über Kosten, Leistungen und Effizienz sowie möglichst einheitliche Genehmigungs-, Prüf- und Wettbewerbsmaßstäbe der unterschiedlichen Aufsichtsbehörden.
Die Studie ist dabei als Positionierung des DFSI in der aktuellen Strukturdebatte zu verstehen. Die ausgewiesenen GKV-Gesamtwerte basieren auf den KJ1-Daten 2024 und 2025. Die detaillierte Einzelkassenanalyse umfasst 44 Krankenkassen und beruht auf der DFSI-Finanzstärkeabfrage vom Juli 2026 sowie auf veröffentlichten KJ1-Daten.




