Eine fortgeschrittene Karzinomerkrankung ist dann nicht Hauptdiagnose, wenn eine stationär rein palliative Versorgung stattfindet aufgrund der Verschlechterung des Allgemeinzustandes

S 4 KR 21/16 | Fulda , Urteil vom 12.02.2019

Im streitgegenständlichen Fall war die Krebserkrankung des Patienten doch so weit fortgeschritten, dass eine Behandlung des ursprünglichen Karzinoms längst beendet war. Er befand sich nur noch in rein palliativer Behandlung. Aufnahmeanlass war die Verschlechterung des Allgemeinzustandes und vor allem sicher die Atemnot und der Diabetes mellitus. Hier wurde zur Erleichterung der Dyspnoe eine Punktion des Pleuraergusses vorgenommen. Dies hat mit der Behandlung des Tumors nichts zu tun. Chemo-/ lag erst recht nicht vor. Das Malignom kann daher nicht HD sein […]

In Betracht kommt hier sowohl der Diabetes mellitus wie auch der Pleuraerguss, der zur schweren Atemnot des Versicherten führte. Damit kommen zwei oder mehr als HD in Betracht, so dass entsprechend der zu verfahren ist. Insofern schließt sich die Kammer der Argumentation des Krankenhauses an, die wegen der intensiv-medizinischen Behandlung, die in Bezug auf den Diabetes mellitus erforderlich wurde, diesbezüglich den höheren Ressourcenverbrauch annimmt, so dass nicht der Pleuraerguss, sondern der Diabetes mellitus und somit die Diagnose E14.91 ICD-10 als Hauptdiagnose zu bestimmen ist.

Quelle: Sozialgerichtsbarkeit


Anmerkung:

Dieses Urteil widerspricht der KDE-176 der SEG-4 und der FOKA-Empfehlung. In einem ähnlichen Beispiel (Kodierung Aufnahme mit rezidivierende Übelkeit/Erbrechen bei Endometrium-Karzinom) empfehlen wir die nach der DKR 0201n „Wenn sich ein Patient mit einem Symptom vorstellt und die zugrunde liegende Erkrankung zum Zeitpunkt der Aufnahme bekannt ist, ist das Symptom als Hauptdiagnose zu kodieren, sofern ausschließlich das Symptom behandelt wird. Die zugrunde liegende Erkrankung ist als -Kode anzugeben.“

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