DKG warnt vor wachsender Bürokratielast in Kliniken
Krankenhausverband legt 55-Punkte-Programm zur Entlastung der Beschäftigten vor
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat erneut auf die zunehmende Bürokratiebelastung im Krankenhaussektor aufmerksam gemacht und ein umfassend überarbeitetes Positionspapier vorgelegt. Der Verband reagiert damit auf die Neubildung der Koalition und die anhaltende politische Debatte über Entbürokratisierung im Gesundheitswesen.
Wie berichtet, fordert die DKG eine deutliche Reduzierung und Vereinfachung von Nachweispflichten sowie stärker wirksame Bürokratiefolgenabschätzungen. Neue gesetzliche Anforderungen müssten zudem mit realistischen Fristen versehen werden, damit Krankenhäuser technische und organisatorische Anpassungen rechtzeitig umsetzen können. Digitalisierung dürfe nicht zu zusätzlichen Hürden führen, sondern müsse Beschäftigte tatsächlich entlasten.
Insgesamt listet die DKG 55 konkrete Punkte auf, die von redundanten Personalübermittlungen über komplexe Anerkennungsverfahren für ausländische Fachkräfte bis hin zu umfangreichen Nachweispflichten in der Übergangspflege reichen.
“Drei Stunden Bürokratie pro Tag” – Belastung steigt weiter
Besonders eindrücklich verweist der Verband auf die Belastung der Mitarbeitenden. „Rund drei Stunden müssen Ärztinnen und Ärzte genauso wie Pflegekräfte jeden Tag mit Bürokratie verbringen“, erklärt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Henriette Neumeyer. Dies sei weit mehr als die notwendige medizinische Dokumentation: „Wenn wir von Überbürokratisierung sprechen, meinen wir keine sinnvolle und unverzichtbare Schreibarbeit, sondern Mehrfachdokumentationen, sich ständig wiederholende Antragspflichten oder überkomplizierte langwierige Verfahren.“
Eine aktuelle Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) unter 400 Krankenhäusern bestätigt diesen Befund: Der Dokumentationsaufwand sei in den vergangenen zwölf Monaten weiter gestiegen. Laut Umfrage sind rechnerisch rund 38 Prozent der Ärztinnen und Ärzte sowie 35 Prozent der Pflegekräfte ausschließlich mit Dokumentationstätigkeiten befasst. Ein Drittel der Kliniken musste deshalb zusätzliches Personal für Dokumentationsaufgaben einstellen.
Als besonders zeitintensiv nannten die Häuser Anfragen und Prüfungsvorgaben des Medizinischen Dienstes (MD), gefolgt von Nachweisen zur internen und externen Qualitätssicherung sowie Dokumentationspflichten in verschiedenen Personalbemessungsinstrumenten.
Potenzial für 70.000 zusätzliche Vollkräfte – wenn Bürokratie sinkt
Laut DKG ließen sich enorme Ressourcen heben, wenn Bürokratie wirksam abgebaut würde. „Schon eine Stunde weniger Bürokratie pro Vollkraft und Tag würde rechnerisch die Arbeitszeit von rund 22.100 Vollkräften im ärztlichen und 48.900 Vollkräften im pflegerischen Bereich freisetzen“, so Neumeyer weiter. Diese Ressourcen würden dringend in der Versorgung benötigt – insbesondere angesichts des demografischen Wandels, steigender Anforderungen und finanzieller Engpässe.
Die DKG richtet daher einen deutlichen Appell an die Politik: Die Ministerin betone regelmäßig die Bedeutung einer Entbürokratisierung, doch echte Fortschritte stünden weiterhin aus. Zwar seien einzelne Verbesserungen – etwa bei Anerkennungsverfahren in Heilberufen – umgesetzt worden, aber: „Was fehlt, ist Entbürokratisierung im großen Stil. Das ist eine herausragende Aufgabe dieser Legislaturperiode, die nicht länger aufgeschoben werden darf.“
Bereits im Jahr 2024 hatte die DKG dem damaligen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach einen umfangreichen Maßnahmenkatalog übermittelt. Ein angekündigtes Entbürokratisierungsgesetz blieb jedoch aus; stattdessen habe die Krankenhausreform laut DKG die Dokumentationslast weiter erhöht.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert umfassenden Bürokratieabbau in Kliniken. Ein 55-Punkte-Programm zeigt konkrete Lösungsansätze – von Dokumentationspflichten bis zu MD-Anfragen.




