DGfM-Streitschrift kritisiert „übersteuertes Prüfregime“ im Krankenhauswesen

Medizincontrolling warnt vor steigender Kontrolllast und „Schattenhaushalt der Bürokratie“

DGfM

Die Deutsche Gesellschaft für Medizincontrolling e.V. ist eine Interessengemeinschaft im Medizincontrolling tätiger Menschen. Sie ist die wissenschaftliche Vertretung der Medizincontroller in Deutschland.

Die Deutsche Gesellschaft für Medizincontrolling hat mit einer neuen Streitschrift unter dem Titel „Kontrolle außer Kontrolle“ eine grundlegende Analyse der Prüf- und Kontrollmechanismen im deutschen Krankenhauswesen vorgelegt. Im Mittelpunkt steht die These, dass die zunehmende Prüfintensität und regulatorische Verdichtung erhebliche Bürokratiekosten erzeugen, die in keinem regulären Finanzierungssystem abgebildet sind.

Die Veröffentlichung beschreibt ein aus Sicht des Medizincontrollings wachsendes Spannungsfeld zwischen Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsanforderungen einerseits sowie einem immer komplexeren Prüfregime andererseits. Nach Darstellung der Autoren entsteht dadurch ein „Schattenhaushalt der Kontrolle“, der sich aus zusätzlichen Prüf-, Dokumentations- und Nachweisprozessen speist und außerhalb der offiziellen Krankenhausbudgets wirksam wird.

Zur besseren Analyse führt die Streitschrift zwei neue Kennzahlen ein: die „Prüfintensität“ sowie einen „Bürokratiekostenindex“. Diese sollen erstmals systematisch messbar machen, in welchem Umfang Kontroll- und Prüfprozesse Ressourcen in Krankenhäusern binden. Ziel sei es, die bislang schwer quantifizierbare Belastung durch regulatorische Anforderungen sichtbar zu machen und damit auch politisch diskutierbar zu machen.

Die DGfM argumentiert, dass das bestehende System zunehmend in sich widersprüchlich agiere: Einerseits würden Krankenhäuser zu effizientem Wirtschaften verpflichtet, andererseits entstehe durch externe Prüfungen, insbesondere im Abrechnungs- und Strukturprüfbereich, ein erheblicher zusätzlicher administrativer Aufwand. Dieser werde bislang weder vollständig erfasst noch finanziell kompensiert.

Adressiert wird die Streitschrift an Entscheidungsträger im Gesundheitswesen, an das Medizincontrolling sowie an Fachverantwortliche in Krankenhäusern und Kostenträgern. Sie versteht sich ausdrücklich als wissenschaftlich orientierte Analyse und nicht als politische Programmschrift, erhebt jedoch den Anspruch, bestehende Steuerungslogiken kritisch zu hinterfragen.

Vor dem Hintergrund laufender Reformen im Krankenhausbereich gewinnt die Debatte um Prüfverfahren, Datenanforderungen und Kontrollmechanismen zusätzlich an Bedeutung. Die DGfM positioniert die Veröffentlichung damit als Beitrag zur aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion über Bürokratieabbau und Systemeffizienz.

Update: Die Deutsche Gesellschaft für Medizincontrolling hat eine überarbeitete Fassung ihrer Streitschrift zur aktuellen Ausgestaltung der Prüf- und Kontrollmechanismen im Krankenhausbereich vorgelegt. Die Publikation mit dem Titel „Kontrolle außer Kontrolle – Die Vermessung des Unmessbaren: Warum das MD-Prüfregime Milliarden kostet, aber seinen ökonomischen Nutzen nicht belegen kann“ wurde nach Angaben der Gesellschaft aufgrund zahlreicher Rückmeldungen aus der Mitgliedschaft erweitert.

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