BWKG warnt: Sparpläne gefährden Krankenhausreform in Baden-Württemberg

Defizit von 880 Millionen Euro befürchtet – Scheffold fordert Ende der finanziellen Überlastung

Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) kritisiert die aktuellen Sparvorschläge der Finanzkommission zur Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) scharf. Heiner Scheffold, Vorstandsvorsitzender der BWKG und Landrat des Alb-Donau-Kreises, warnt eindringlich davor, dass die Kliniken weitere Kürzungen während der laufenden Strukturreform nicht verkraften können. Sollten die Einsparungen ohne entsprechende Kostenentlastungen umgesetzt werden, drohe eine spürbare Reduzierung des medizinischen Leistungsspektrums und eine Gefährdung der flächendeckenden Versorgung.

Wie die BWKG berichtet, ist die finanzielle Lage der Krankenhäuser im Land dramatisch. Eine Umfrage vom März 2026 zeigt, dass fast drei Viertel der Kliniken für das laufende Jahr ein Defizit erwarten, das sich auf insgesamt mindestens 880 Millionen Euro summieren dürfte. Bereits im Vorjahr lag das Minus bei 800 Millionen Euro. Laut Scheffold verdeutlicht die auf der BWKG-Homepage installierte „Defizituhr“, dass selbst der bis Ende Oktober 2026 befristete Rechnungszuschlag von 3,25 % die Finanzierungslücke nicht schließen kann. Besonders freigemeinnützige und kirchliche Träger seien in ihrer Existenz bedroht, während kommunale Haushalte die Defizite kaum noch querfinanzieren könnten.

Die BWKG betont, dass Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich bereits hocheffizient aufgestellt sei. Das Land weist die niedrigste Bettenzahl, die geringste Fallzahl und die niedrigsten Kosten je Einwohner auf. Scheffold fordert daher eine „gerechte Vergütung“, die die realen Kostenstrukturen abbildet und die Kliniken im Vergleich zu anderen Leistungsbereichen nicht benachteiligt. In diesem Zusammenhang kritisierte er das Fehlen vergleichbarer Strukturreformen, etwa im Bereich der Vertragsärzte, und regte Einsparungen durch eine effizientere Patientensteuerung sowie den Abbau der doppelten Facharztschiene an.

Einsparungen dürften nicht einseitig zulasten der Krankenhäuser gehen, die bereits weit vorangeschrittene Umstrukturierungen vorweisen können. Die Politik müsse anerkennen, dass eine verlässliche Versorgung nur sichergestellt werden kann, wenn die erforderlichen Kapazitäten angemessen finanziert werden. Ohne eine Kurskorrektur in der Finanzierung steuere das System auf eine Situation zu, in der die gewohnte Versorgungsqualität nicht mehr aufrechterhalten werden kann.

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