BWKG kritisiert KV Baden-Württemberg scharf: „Unkenntnis der Versorgungsrealität“

Scheffold weist Vorwürfe zu angeblichen Kostentreibern entschieden zurück – Kliniken leisten unverzichtbaren Beitrag zur ambulanten Versorgung

Der Vorstandsvorsitzende der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), Heiner Scheffold, hat die jüngste Medieninformation der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) vom 13. Oktober 2025 scharf kritisiert. In der Mitteilung mit dem Titel „So kann es gehen, Frau Warken!“ hatten die KV-Vorstände Einsparungen im Krankenhausbereich ausdrücklich begrüßt – für Scheffold ein Affront gegenüber den Kliniken im Land.

„Die KV-Vorstände begrüßen völlig ungerechtfertigte und undifferenzierte Einsparungen im Krankenhausbereich – das ist nur mit eigenen kommerziellen Interessen zu erklären“, so Scheffold. Er warf der Kassenärztlichen Vereinigung eine „dramatische Unkenntnis der Versorgungsrealität“ vor. Baden-Württemberg verfüge mit 467 Betten je 100.000 Einwohner über die effizienteste Krankenhausversorgung Deutschlands. Aufgrund des weit fortgeschrittenen Strukturwandels sei in den Kliniken des Landes „schlicht nichts mehr einzusparen“.

Engagement der Krankenhäuser in der ambulanten Versorgung ignoriert

Scheffold kritisierte zudem, die KV verschweige bewusst den erheblichen Beitrag der Kliniken zur ambulanten Notfallversorgung sowie zur Tätigkeit in Institutsambulanzen – etwa in der Psychiatrie, Psychosomatik, Geriatrie und Pädiatrie. Auch ermächtigte Krankenhausärzte trügen maßgeblich zur Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung bei. Ohne dieses Engagement, so Scheffold, „könnte die KV ihre Versorgungsverpflichtung schon lange nicht mehr erfüllen“.

Zahlen sprechen gegen das „Kostentreiber“-Narrativ

Die Behauptung der KV, Krankenhäuser seien Kostentreiber der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), wies Scheffold entschieden zurück: „Das Gegenteil ist richtig.“ Laut Zahlen der AOK Baden-Württemberg habe der Ausgabenanteil für Krankenhausleistungen zwischen 2015 und 2023 von rund 32 auf unter 30 Euro je 100 Euro Gesamtausgaben abgenommen. „Der Anteil der Kliniken an den GKV-Gesamtausgaben sinkt – das zeigt klar, dass die Unterstellung schlicht falsch ist.“

Vertrauensverlust zwischen den Sektoren

Mit ihrer Pressemitteilung habe die Kassenärztliche Vereinigung der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit erheblichen Schaden zugefügt, warnte der BWKG-Vorstandsvorsitzende. Das in vielen Jahren aufgebaute Vertrauen werde „massiv erschüttert“. Scheffold abschließend: „Zu hoffen bleibt, dass sich dies nicht auf die Patientenversorgung auswirkt.“