BWKG-Indikator 1/2025: Kliniken in Baden-Württemberg schlagen Alarm

Scheffold: „Unterfinanzierung, Personalmangel und Bürokratie ergeben eine toxische Mischung“

Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) hat die Ergebnisse ihres aktuellen BWKG-Indikators 1/2025 vorgestellt und warnt eindringlich vor einer weiteren Verschlechterung der Gesundheitsversorgung. Vorstandsvorsitzender Heiner Scheffold sieht die Einrichtungen im Land durch eine gefährliche Kombination aus Unterfinanzierung, Personalmangel und überbordender Bürokratie massiv unter Druck gesetzt.

„Krankenhäuser, Reha-Kliniken und Pflegeeinrichtungen sind unterfinanziert. Es fehlt an Personal und die Bürokratiebelastung ist unerträglich. Zusammen ergibt sich daraus eine zunehmend toxische Mischung für unsere Mitglieder“, erklärte Scheffold mit Blick auf die Umfrageergebnisse.

Rote Zahlen trotz Strukturreformen

Die wirtschaftliche Lage bleibe angespannt: 64,6 Prozent der Krankenhäuser rechnen 2025 mit Defiziten. Zwar hätten Sonderprogramme des Landes sowie die angekündigten Betriebskostenzuschüsse der Bundesregierung kurzfristige Entlastungen gebracht, doch die Probleme seien damit nicht gelöst.

„Diese Verbesserungen zeigen, dass die Probleme erkannt wurden. Gelöst werden sie dadurch jedoch nicht. Es bleibt also bei einer unhaltbaren Situation“, betonte Scheffold. Die von der Politik eingeforderten Strukturreformen müssten auch finanziell honoriert werden, andernfalls drohe der Geldmangel die Versorgungsstrukturen und Angebote zu diktieren.

Personalmangel bleibt zentrale Herausforderung

Besonders prekär ist die Personalsituation:

  • 77 % der Krankenhäuser melden Schwierigkeiten, Pflegefachkräfte zu finden.
  • 75,9 % haben Probleme, Stellen im Funktionsdienst neu zu besetzen.
  • 53,6 % kämpfen mit Engpässen im ärztlichen Dienst.

Ähnlich dramatisch ist die Lage in Reha- und Pflegeeinrichtungen: Über 70 % der Reha-Kliniken berichten von Problemen bei der Besetzung ärztlicher Stellen. In den Pflegeeinrichtungen geben 86,3 % an, dass die Gewinnung von Pflegefachkräften „schwierig oder eher schwierig“ sei.

„Eine stabile und ausreichende Finanzierung ist auch eine zentrale Voraussetzung dafür, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern attraktive Arbeitsbedingungen bieten zu können“, so Scheffold. Nur so lasse sich im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen.

Reha- und Pflegeeinrichtungen unter Druck

Auch die Reha-Kliniken im Land sehen ihre wirtschaftliche Lage kritisch: 47,4 % erwarten rote Zahlen für 2025. Scheffold fordert daher einen gesetzlichen Anspruch auf leistungsgerechte Vergütung, die gegenüber den Kostenträgern durchgesetzt werden könne. Zudem müsse das Reha-Budget der Rentenversicherung angepasst werden.

Die Pflegeeinrichtungen sehen sich neben dem Fachkräftemangel vor allem mit einer unsicheren Finanzierung konfrontiert. Scheffold erneuerte daher die Forderung nach einem „Sockel-Spitze-Tausch“: Eigenanteile sollen begrenzt und künftige Kostensteigerungen solidarisch finanziert werden.

Krisenvorsorge, Klimaanpassung und Bürokratieabbau

Zusätzlich betonte Scheffold die wachsende Bedeutung der Krisenvorsorge in Gesundheitseinrichtungen, sei es im Hinblick auf Pandemien, militärische Konflikte oder den Klimawandel. Hier fehle es bislang an konkreten, finanziell unterlegten Maßnahmen.

Ein weiteres zentrales Thema bleibt der Bürokratieabbau: „Wenn Pflegekräfte und Ärzte rund ein Drittel ihrer Zeit mit Bürokratie verbringen und somit immer weniger Zeit für ihre Patienten oder Bewohner haben, ist es kein Wunder, dass sie ihren Beruf weniger gerne ausüben. Weniger Zeit für Bürokratie reduziert auch den Personalbedarf und damit den Fachkräftemangel. Hier muss die Politik endlich ansetzen“, forderte Scheffold abschließend.