AOK fordert vor Landtagswahl konsequente Umsetzung der Krankenhausreform in Rheinland-Pfalz
Gutachten sieht Potenzial für Spezialisierung, Zentralisierung und mehr Ambulantisierung
Mit Blick auf die kommende Landtagswahl fordert die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland eine konsequente Umsetzung der bundesweiten Krankenhaus- und Notfallreform im Land. Gleichzeitig müsse der Strukturwandel im stationären Sektor durch eine transparente und verständliche Kommunikation gegenüber der Bevölkerung begleitet werden. Grundlage der Forderungen ist unter anderem das im Jahr 2024 veröffentlichte Gutachten „Zukunft der Krankenhausstrukturen in Rheinland-Pfalz und im Saarland“, das im Auftrag der gesetzlichen Krankenversicherung durch das Institut für Health Care Business GmbH (hcb GmbH) erstellt wurde.
Strukturelle Besonderheiten der Krankenhauslandschaft
Das Gutachten weist darauf hin, dass die Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz zwar grundsätzlich von einer gut erreichbaren Notfallversorgung profitieren. Gleichzeitig unterscheiden sich die Krankenhausstrukturen im Land in mehreren Punkten deutlich vom Bundesdurchschnitt. So verzeichnet Rheinland-Pfalz laut Analyse eine überdurchschnittlich hohe Zahl stationärer Behandlungen bei gleichzeitig vergleichsweise geringer Bettenauslastung von rund 67 Prozent. Zudem liegt der Case-Mix-Index – ein Maß für den Schweregrad der behandelten Fälle – unter dem bundesweiten Durchschnitt.
Weitere Besonderheiten betreffen die Krankenhausfinanzierung und -struktur. Die Investitionsfördermittel des Landes liegen laut Gutachten unter dem Durchschnitt, während gleichzeitig ein vergleichsweise hoher Landesbasisfallwert gezahlt wird. Hinzu kommt ein erhebliches Ambulantisierungspotenzial: Zwischen 15 und 21 Prozent der derzeit vollstationären Behandlungen könnten nach Einschätzung der Gutachter ambulant erfolgen.
Viele kleine Häuser und Potenzial zur Zentralisierung
Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist die im Bundesvergleich hohe Zahl kleiner und wenig spezialisierter Krankenhäuser. Gemessen an der Bettenzahl verfügt Rheinland-Pfalz über viele kleinere Standorte, die nur begrenzte Spezialisierungen aufweisen. Aus Sicht der Gutachter besteht daher ein Potenzial zur Zentralisierung, etwa durch die Zusammenlegung kleinerer Standorte oder eine stärkere Konzentration medizinischer Leistungen an spezialisierten Kliniken.
Die im Rahmen der Krankenhausreform vorgesehenen Leistungsgruppen sollen künftig dazu beitragen, planbare medizinische Leistungen stärker auf Krankenhäuser zu konzentrieren, die definierte Qualitätsstandards sowie Mindestvorhaltezahlen erfüllen. Studienergebnisse, unter anderem aus Untersuchungen der Deutschen Krebsgesellschaft in Zusammenarbeit mit der AOK, zeigen nach Angaben der Krankenkasse, dass Patientinnen und Patienten bei Krebsbehandlungen in zertifizierten Zentren deutlich bessere Überlebenschancen haben als in nicht spezialisierten Kliniken.
Gleichzeitig werden derzeit noch mehr als 50 Prozent der Krebspatientinnen und -patienten außerhalb zertifizierter Zentren behandelt. Zudem erreichen einige bestehende Zentren vergleichsweise niedrige Fallzahlen. Für die AOK verdeutlichen diese Befunde, dass Spezialisierung und Zentralisierung stärker vorangetrieben werden müssten, um die Versorgungsqualität nachhaltig zu verbessern.
Neue Versorgungsmodelle und Personalfragen
Im Zuge der Reform könnte nach Einschätzung der Krankenkasse auch geprüft werden, ob einzelne Krankenhausstandorte künftig in ambulante oder sektorenübergreifende Versorgungseinheiten umgewandelt werden können. Insbesondere in ländlichen Regionen könnten solche Strukturen dazu beitragen, eine wohnortnahe Grundversorgung weiterhin sicherzustellen.
Darüber hinaus fordert die AOK eine klar gestufte stationäre Versorgungsstruktur mit definierten Personaluntergrenzen, aber auch -obergrenzen. Zudem müsse sichergestellt werden, dass Mittel aus Pflegebudgets tatsächlich für die unmittelbare Patientenversorgung eingesetzt werden. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels im Gesundheitswesen sieht die Krankenkasse hier dringenden Handlungsbedarf und plädiert für neue Ansätze in der Organisation der stationären Versorgung.







