Sachsen: Vier Fraktionen fordern Konzept für Geburtshilfe

Angesichts weiterer drohender Kreißsaalschließungen soll bis Ende 2027 eine landesweite Versorgungsstrategie entstehen

CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke wollen die Geburtshilfe in Sachsen künftig auf Grundlage einer landesweiten Gesamtstrategie sichern. Ein gemeinsamer Antrag im Sächsischen Landtag sieht vor, die bestehenden Versorgungsstrukturen systematisch zu untersuchen und Maßnahmen gegen weitere Versorgungslücken zu entwickeln. Hintergrund sind die angekündigten Schließungen geburtshilflicher Abteilungen in Kamenz und Zschopau sowie die seit Jahren rückläufige Zahl der Entbindungsstandorte.

Mit der gemeinsamen Initiative (Drucksache 8/8745) reagieren die vier Fraktionen auf die zunehmend schwierige Versorgungssituation insbesondere im ländlichen Raum. Seit 1991 ist die Zahl der Krankenhäuser mit Entbindungsstationen in Sachsen nach ihren Angaben von 54 auf 34 zurückgegangen. Weitere Standortschließungen könnten die Wege für Schwangere verlängern und die wohnortnahe geburtshilfliche Versorgung zusätzlich erschweren. (1)

Arbeitsgruppe soll Versorgungsstrategie entwickeln

Der gemeinsame Antrag sieht einen mehrstufigen Prozess vor. Noch bis Ende 2026 soll eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden, die sich mit der Entwicklung der Geburtshilfe im Freistaat befasst. Erste Ergebnisse sollen bis Ende März 2027 vorliegen. Bis zum Jahresende 2027 soll daraus eine umfassende landesweite Strategie entstehen.

Dabei sollen insbesondere die Erreichbarkeit geburtshilflicher Einrichtungen, regionale Versorgungsunterschiede und Möglichkeiten zur Stabilisierung bestehender Standorte untersucht werden.

Neben Krankenhäusern und ärztlichen Fachkräften sollen auch Hebammen, Entbindungspfleger und Rettungsdienste berücksichtigt werden. Darüber hinaus stehen alternative Versorgungsmodelle wie hebammengeleitete Einrichtungen, Geburtshäuser und regionale Kooperationen zwischen stationärer und außerklinischer Geburtshilfe zur Diskussion.

Kamenz und Zschopau als aktuelle Beispiele

Die Initiative wird durch die Entwicklung an zwei Krankenhausstandorten zusätzlich vorangetrieben. Am St. Johannes Krankenhaus Kamenz ist die Einstellung der Geburtshilfe angekündigt. Auch am Erzgebirgsklinikum Zschopau soll der Kreißsaal nach bisherigen Planungen Mitte 2027 schließen.

Aus Sicht der beteiligten Fraktionen unterstreichen diese Entwicklungen die Notwendigkeit einer vorausschauenden Krankenhausplanung. Versorgungsstrukturen dürften nicht ausschließlich anhand einzelbetrieblicher Wirtschaftlichkeit bewertet werden.

Die Grünen hatten bereits im Juni einen eigenen Antrag für ein landesweites Geburtshilfekonzept eingebracht. Darin wurde unter anderem eine maximale Erreichbarkeit geburtshilflicher Angebote innerhalb von 30 Minuten gefordert. Diese konkrete Zeitvorgabe wurde allerdings nicht als verbindliche Zielmarke in den gemeinsamen Antrag übernommen.

Krankenhausplanung soll regionale Versorgung berücksichtigen

Mit dem fraktionsübergreifenden Vorstoß rücken die strukturellen Folgen einer weiteren Konzentration geburtshilflicher Leistungen in den Mittelpunkt. Neben sinkenden Geburtenzahlen und wirtschaftlichen Belastungen müssen bei der Planung auch die medizinische Versorgungsqualität, die personellen Voraussetzungen und die Erreichbarkeit geeigneter Einrichtungen berücksichtigt werden.

Der Antrag steht für die Plenarsitzung am 5. November 2026 auf der Tagesordnung des Sächsischen Landtags. Eine Entscheidung über die geplante Arbeitsgruppe oder eine verbindliche Gesamtstrategie ist damit noch nicht getroffen. (2)