Neue Entscheidungshilfe verbessert Indikationsqualität bei Knieprothesen
Digitales EKIT-Tool für patientenorientierte Entscheidungen bei Knieendoprothesen
Mit dem Projekt „Value-based TKR“ (Value-based Total Knee Replacement) wurde erstmals im deutschsprachigen Raum eine digitale und individualisierte Entscheidungshilfe für die Indikationsstellung zur Knieendoprothese entwickelt. Das sogenannte EKIT-Tool soll die leitliniengerechte Versorgung stärken, die Einbindung von Patientinnen und Patienten verbessern und die Entscheidungsqualität vor einer Knieprothesen-Operation erhöhen. Das Projekt wurde über vier Jahre mit 1,3 Millionen Euro durch den Innovationsausschuss beim G-BA gefördert und gemeinsam von der Technische Universität Dresden, dem Endoprothesenregister Deutschland und der Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie umgesetzt.
Die Entwicklung reagiert auf ein bekanntes Versorgungsproblem bei der Behandlung von Kniegelenksarthrose. Zwar gilt die Knieendoprothese bei fortgeschrittener Gonarthrose als etablierte und wirksame Therapieoption, jedoch profitieren nicht alle Patientinnen und Patienten gleichermaßen von dem Eingriff. Fachgesellschaften sehen die Ursachen unter anderem in unpräzisen Indikationsstellungen, unrealistischen Erwartungen und einer unzureichenden Einbindung der Betroffenen in den Entscheidungsprozess.
Das neue EKIT-Tool setzt genau an dieser Stelle an. Vor dem ärztlichen Beratungsgespräch werden patientenberichtete und medizinische Gesundheitsdaten digital erfasst. Während des Indikationsgesprächs visualisiert das System die Ergebnisse, prüft die Erfüllung der leitlinienbasierten Kriterien und unterstützt eine strukturierte Diskussion über individuelle Therapieziele und deren Erreichbarkeit. Abschließend dokumentiert das Tool sowohl die ärztliche Empfehlung als auch die gemeinsam getroffene Entscheidung für oder gegen eine Knieendoprothese.
Die Wirksamkeit des Instruments wurde in einer multizentrischen, kontrollierten Studie mit zehn deutschen Studienzentren untersucht. Insgesamt flossen die Daten von 1.055 Patientinnen und Patienten in die Auswertung ein. Als primärer Endpunkt wurde die Qualität der Entscheidungsfindung unmittelbar nach dem Indikationsgespräch gemessen.
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Nutzen der digitalen Unterstützung. Die Entscheidungsqualität erreichte in der Interventionsgruppe 86,0 Prozent gegenüber 67,4 Prozent in der Kontrollgruppe. Damit wurde eine um 24 Prozent höhere Entscheidungsqualität nachgewiesen. Darüber hinaus wurden die Zufriedenheit mit dem Gespräch, die Therapieentscheidung sowie weitere Einflussfaktoren auf die Indikationsstellung untersucht.
Für Krankenhäuser und orthopädische Fachabteilungen gewinnt das Thema insbesondere vor dem Hintergrund einer stärkeren Qualitätsorientierung im Gesundheitswesen an Bedeutung. Die Projektergebnisse sollen nach Veröffentlichung des Abschlussberichts auch in die Qualitätssicherungsverfahren des G-BA zur Knieendoprothesenversorgung sowie in das Zweitmeinungsverfahren einfließen.




