Krankenhausplanung in Baden-Württemberg: TK sieht Fortschritte – warnt aber vor Qualitätsverlusten

Neue Leistungsgruppen und stärkere Landessteuerung sollen die Versorgung neu ordnen – Kritik an Ausnahmen bei Qualitätsvorgaben

Mit dem Inkrafttreten des Krankenhausreformanpassungsgesetzes (KHAG) am 15. April 2026 beginnt in den Bundesländern die konkrete Umsetzung der Krankenhausreform. Baden-Württemberg hat dazu einen neuen Krankenhausplan beschlossen, der künftig stärker auf Leistungsgruppen und regionale Versorgungsstrukturen setzt. Die Techniker Krankenkasse (TK) bewertet wesentliche Elemente positiv, warnt jedoch zugleich vor möglichen Auswirkungen auf die Versorgungsqualität.

Die Umsetzung der Krankenhausreform geht in die nächste Phase. Nachdem das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) in Kraft getreten ist, stehen die Länder vor der Aufgabe, ihre Krankenhausplanung an die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Baden-Württemberg setzt dabei auf einen grundlegend veränderten Ansatz: Statt einer klassischen Planung nach Fachabteilungen sollen medizinische Leistungen künftig anhand definierter Leistungsgruppen und regionaler Planungsebenen organisiert werden.

Nach Angaben der Techniker Krankenkasse sieht der neue Krankenhausplan eine Einteilung in insgesamt 65 Leistungsgruppen vor. Diese werden künftig unterschiedlichen räumlichen Ebenen zugeordnet – den Stadt- und Landkreisen, Versorgungsregionen sowie einer landesweiten Ebene. Ziel ist es, hochspezialisierte Leistungen stärker zu bündeln und gleichzeitig eine wohnortnahe Grundversorgung sicherzustellen.

Die Position der TK
Qualitativ hochwertig, bedarfsgerecht, nachhaltig – die Zukunft der Krankenhausversorgung in Baden-Württemberg
Portrait von Nadia Mussa

Nadia Mussa – Leiterin der TK Landesvertretung Baden-Württemberg

Im Interview mit der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg bewertet Nadia Mussa, Leiterin der Landesvertretung, die neue Planung grundsätzlich als Schritt in die richtige Richtung. Positiv sei insbesondere, dass das Land künftig stärker steuere, welche Krankenhäuser bestimmte Leistungen erbringen dürfen. Im bisherigen System hätten Kliniken teilweise größere Spielräume gehabt, während klare Qualitätsvorgaben fehlten.

Auch Aspekte wie Digitalisierung, Telemedizin und sektorenübergreifende Versorgung werden aus Sicht der TK stärker berücksichtigt. Die Einbindung digitaler Instrumente wie elektronischer Patientenakten und die stärkere Vernetzung verschiedener Versorgungsbereiche werden ausdrücklich als Bestandteile der zukünftigen Krankenhauslandschaft genannt.

Die Behandlungsqualität hat nicht mehr die Bedeutung, die sie ursprünglich haben sollte.
Nadia Mussa

Gleichzeitig äußert die Krankenkasse deutliche Kritik an Änderungen im Verlauf des Reformprozesses. So seien Qualitätsanforderungen im Gesetzgebungsverfahren teilweise abgeschwächt worden. Leistungsgruppen könnten nun unter bestimmten Voraussetzungen auch an Kliniken vergeben werden, die Qualitätskriterien nicht vollständig erfüllen, sofern dies zur Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung erforderlich sei.

Darüber hinaus sieht die TK Unklarheiten bei der praktischen Umsetzung. Nach ihrer Einschätzung bleiben zentrale Fragen offen, etwa nach welchen Kriterien Leistungsgruppen Versorgungsebenen zugeordnet werden oder in welchen zeitlichen Abständen Krankenhausplanungen künftig angepasst werden sollen. Auch die Berücksichtigung demografischer Entwicklungen und Morbiditätsveränderungen sei bislang nicht ausreichend konkret beschrieben.

Für Krankenhausstandorte könnte die neue Planung erhebliche Auswirkungen haben. Leistungsgruppen werden künftig darüber entscheiden, welche Leistungen an welchen Häusern angeboten werden dürfen. Parallel dazu sollen Fördermittel aus dem bundesweiten Transformationsfonds helfen, die notwendigen Strukturveränderungen finanziell zu unterstützen. Der Fonds verfügt nach Angaben der Bundesregierung bis 2035 über ein Gesamtvolumen von rund 50 Milliarden Euro.

Für Kliniken und Krankenhausmanager dürfte die konkrete Ausgestaltung der Leistungsgruppen in den kommenden Monaten zunehmend an Bedeutung gewinnen. Sie wird maßgeblich beeinflussen, wie sich Versorgungsstrukturen künftig entwickeln und welche Rolle einzelne Standorte innerhalb regionaler Netzwerke einnehmen.

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