Franziskus-Stiftung: eliPfad begleitet 1.000 ältere Patienten nach Klinikaufenthalt

Franziskus-Stiftung zieht erste Bilanz: Fallmanagement und digitale Überwachung sollen Selbstständigkeit stärken und Wiedereinweisungen vermeiden

Rund 1.000 ältere Patienten sind im Forschungsprojekt eliPfad nach einem Krankenhausaufenthalt sektorenübergreifend begleitet worden. Speziell geschulte Pflegekräfte koordinierten die weitere Versorgung, während digitale Anwendungen Vitalwerte aus dem häuslichen Umfeld übermittelten. Nach vier Jahren zieht die St. Franziskus-Stiftung Münster eine erste positive Bilanz – die abschließende wissenschaftliche Auswertung soll Mitte 2027 vorliegen.

Wie können ältere Menschen mit mehreren Erkrankungen nach einem Krankenhausaufenthalt besser versorgt und ungeplante Wiedereinweisungen vermieden werden? Mit dieser Frage hat sich das Projekt eliPfad in den vergangenen vier Jahren an sechs Zentren in Nordrhein-Westfalen beschäftigt.

Insgesamt nahmen gut 1.000 ältere Menschen an der Studie teil. Beteiligt waren die Uniklinik Köln, das Herz-Jesu-Krankenhaus Münster-Hiltrup, das St. Franziskus-Hospital Münster, das Klinikum Dortmund, das Marien Hospital Herne und die Uniklinik RWTH Aachen.

Das Herz-Jesu-Krankenhaus und das St. Franziskus-Hospital gehören zur St. Franziskus-Stiftung Münster, die nun eine erste Bilanz des Projekts gezogen hat. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob sich durch eine Kombination aus persönlichem Fallmanagement und digitalen Anwendungen die Versorgung multimorbider älterer Menschen nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus verbessern lässt.

Pflegekräfte koordinieren Versorgung nach Entlassung

Eine zentrale Funktion übernahmen speziell geschulte Pflegekräfte als Fallmanagerinnen. Sie begleiteten die Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt und fungierten als Schnittstelle zwischen Klinik sowie niedergelassenen Haus- und Fachärzten.

Damit setzte eliPfad an einem besonders kritischen Punkt der Versorgung an: dem Übergang zwischen stationärer Krankenhausbehandlung und anschließender ambulanter Versorgung. Ziel war es, Versorgungslücken nach der Entlassung zu vermeiden, gesundheitliche Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen und dadurch ungeplante erneute Krankenhausaufnahmen zu reduzieren.

Ergänzt wurde das persönliche Fallmanagement durch digitale Anwendungen. Die Teilnehmer erhielten eine einrichtungsübergreifende digitale Patientenakte sowie einen sogenannten Smarten Assistenten für die Nutzung zu Hause. Damit konnten sie regelmäßig Vitalwerte messen und in die digitale Akte übertragen. Die Fallmanagerinnen kontrollierten die übermittelten Daten kontinuierlich. Bei Auffälligkeiten konnten die behandelnden Ärzte informiert werden.

Ältere Patienten nehmen digitale Anwendungen an

Nach den bisherigen Erfahrungen der Franziskus-Stiftung wurde die Technik von einem großen Teil der Teilnehmer intensiv genutzt. Dabei spielte die persönliche Begleitung offenbar eine wichtige Rolle. Die Patienten wurden durch Pflegekräfte in die Geräte eingewiesen und bei deren Nutzung unterstützt. Die bisherigen Rückmeldungen zeigen nach Angaben der Stiftung, dass auch ältere Menschen digitale Versorgungsangebote annehmen können, wenn diese verständlich erklärt und persönlich begleitet werden. Viele Teilnehmer hätten zudem berichtet, dass die kontinuierliche Betreuung sie motiviert habe, sich aktiver mit ihrer eigenen Gesundheit auseinanderzusetzen. Als besondere Stärke des Modells wurde in Interviews die persönliche Beziehung zu den Fallmanagerinnen genannt.

Finale Studienergebnisse werden 2027 erwartet

Ob das Versorgungskonzept tatsächlich zu messbaren Verbesserungen bei Wiedereinweisungen, Selbstständigkeit oder anderen medizinischen Endpunkten geführt hat, lässt sich aus der bisherigen Bilanz noch nicht abschließend beurteilen.

Die wissenschaftliche Auswertung der Studiendaten läuft derzeit weiter. Die finalen Ergebnisse werden für Mitte 2027 erwartet.

Philipp Potratz, Leiter von Franziskus F&E – Zentrum für Klinische Studien und angewandte Versorgungsforschung, sieht bereits in den bisherigen Erfahrungen Hinweise auf das Potenzial einer sektorenübergreifenden Begleitung.

Die Verbindung aus persönlicher Betreuung und digitalen Komponenten könne dazu beitragen, Selbstständigkeit und Lebensqualität älterer Patienten zu fördern. Die gewonnenen Erfahrungen sollen deshalb auch in die Weiterentwicklung patientenorientierter Versorgungsstrukturen einfließen.

Innovationsfonds fördert sektorenübergreifenden Ansatz

eliPfad wurde durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert.

An dem Projekt waren neben den Kliniken zahlreiche weitere Partner aus Krankenversicherung, ambulanter Versorgung, Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft beteiligt. Dazu gehörten unter anderem BARMER, Techniker Krankenkasse, die Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Westfalen-Lippe sowie die Universität Witten/Herdecke.

Das Projekt ist damit zugleich ein Beispiel dafür, wie sektorenübergreifende Versorgungsmodelle den Übergang vom Krankenhaus in die ambulante Versorgung stärker strukturieren könnten.

Entscheidend für eine Bewertung des Ansatzes werden jedoch die abschließenden Studienergebnisse sein. Insbesondere wird sich zeigen müssen, ob die intensive Begleitung tatsächlich ungeplante Wiederaufnahmen reduziert und die Selbstständigkeit der Patienten messbar verbessert.