Datenbasierte Krankenhausplanung: Neues Tool analysiert Folgen von Klinikschließungen

Science Media Center (SMC) veröffentlicht interaktive Anwendung zur Berechnung von Fahrzeiten – Fokus auf Versorgungsqualität und Erreichbarkeit

Die tiefgreifende Umgestaltung der deutschen Krankenhauslandschaft wird für die Bevölkerung vor allem dann spürbar, wenn lokale Kliniken schließen oder Fachabteilungen spezialisiert werden. Um die Auswirkungen dieser Veränderungen objektiv bewertbar zu machen, hat das Science Media Center Germany (SMC) ein neues interaktives Recherche-Tool vorgestellt. Die Anwendung ermöglicht es, Szenarien zu erstellen und exakt zu berechnen, wie sich Fahrzeiten zur nächsten medizinischen Versorgung verändern, wenn bestimmte Standorte wegfallen.

Das Tool basiert auf einem hochpräzisen Datensatz, der das deutsche Straßennetz in 100-mal-100-Meter-Gitterzellen unterteilt. Für jede dieser Zellen wird die Fahrzeit zum nächstgelegenen Krankenhaus ermittelt, wobei die Berechnungen auf realen Navigationsdaten für PKW-Fahrten an Werktagen basieren. Nutzer können entweder auf vorgefilterte Listen – etwa für Geburtskliniken oder Schlaganfallzentren – zugreifen oder eigene Kliniklisten zusammenstellen. Eine Besonderheit ist die „Differenzkarte“, die visuell verdeutlicht, in welchen Gemeinden die Fahrzeitverlängerung durch eine Schließung besonders drastisch ausfällt.

Krankenhauserreichbarkeits-Tool des SMC
Analyse zur Erreichbarkeit von Krankenhäusern in Deutschland

Ein prominentes Anwendungsbeispiel des SMC verdeutlicht die Relevanz: Nach der Schließung des Kreißsaals im brandenburgischen Templin erhöhte sich die durchschnittliche Fahrzeit für werdende Eltern in der Gemeinde von sechs auf gut 50 Minuten. Solche Daten sind für die öffentliche Debatte essenziell, da sie die emotionale Diskussion um Schließungen mit harten Fakten unterlegen. Das SMC betont jedoch, dass längere Fahrzeiten fachlich dann vertretbar sein können, wenn Patienten im Gegenzug eine höhere Behandlungsqualität in spezialisierten Zentren mit höheren Fallzahlen erhalten.

Die Methodik des Tools berücksichtigt die Wohnbevölkerung auf Basis des Zensus 2022, sodass dünn besiedelte Gebiete und Ballungsräume korrekt gewichtet werden. Da die Kapazitäten der verbleibenden Kliniken in der rein geografischen Analyse nicht abgebildet werden, bietet das SMC für tiefergehende Recherchen den Export von Rohdaten und Code an. Das Tool versteht sich als Unterstützung für die regionale Planung und Berichterstattung, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Wirtschaftlichkeit, Mindestfallzahlen und der Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung transparent zu machen.

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