Bundesärztekammer fordert krisenfestes Gesundheitssystem
Strategiepapier: Personal, Bevorratung und Zusammenarbeit sollen Resilienz der Versorgung stärken
Die Bundesärztekammer (BÄK) fordert eine umfassende Stärkung der Krisenfestigkeit des deutschen Gesundheitswesens. In einem neuen Strategiepapier benennt sie insbesondere ausreichend verfügbares und qualifiziertes Personal, eine verlässliche Bevorratung sowie eine deutlich engere Zusammenarbeit der beteiligten Akteure als zentrale Voraussetzungen. Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen sollen zugleich besser gegen Cyberangriffe und Ausfälle kritischer Infrastrukturen abgesichert werden.
„Krisen, Kriege und Umweltkatastrophen zeigen: Unser Gesundheitssystem muss deutlich widerstandsfähiger werden“, erklärt BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. Der Gesetzgeber müsse die notwendigen Voraussetzungen mit dem geplanten Gesundheitssicherstellungsgesetz schaffen.
Das Strategiepapier „Im Krisenfall handlungsfähig: Resilienz des Gesundheitswesens aus ärztlicher Sicht“ wurde nach Angaben der Bundesärztekammer im Austausch mit Experten aus medizinischer Wissenschaft, Bundeswehr und Bevölkerungsschutz entwickelt. Im Mittelpunkt stehen drei Handlungsfelder.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit zwischen Gesundheitseinrichtungen, Behörden und den unterschiedlichen staatlichen Ebenen. Nach Auffassung der BÄK müssen Zuständigkeiten und Abläufe für Krisensituationen eindeutiger geregelt werden. Gefordert werden unter anderem ein gestärkter Öffentlicher Gesundheitsdienst sowie regelmäßig stattfindende und ausreichend finanzierte Krisenübungen. Auf Bundesebene schlägt die Ärztekammer zudem die Einrichtung eines Lagezentrums Gesundheit vor. Dort sollen aktuelle Informationen beispielsweise über verfügbare Versorgungskapazitäten und Personalressourcen, Materialbestände sowie das Infektionsgeschehen zusammengeführt werden. Damit soll in Krisensituationen eine bessere überregionale Steuerung ermöglicht werden.
Als zweites Handlungsfeld nennt die BÄK die Ausstattung und Bevorratung des Gesundheitswesens. Gesundheitseinrichtungen müssten sowohl gegen direkte Angriffe einschließlich Cyberattacken als auch gegen den Ausfall kritischer Infrastrukturen geschützt werden. Gleichzeitig fordert die Ärztekammer resilientere Lieferketten. Dazu sollen Produktionen wieder stärker in Europa angesiedelt, Lieferketten diversifiziert und strategische Reserven aufgebaut werden.
Die bereits nach der COVID-19-Pandemie geplante Nationale Reserve Gesundheitsschutz (NRGS) müsse umgesetzt werden. Nach den Vorstellungen der BÄK soll die Bevorratung eine Versorgung für mindestens sechs Monate ermöglichen.
Besondere Bedeutung misst die Bundesärztekammer der personellen Resilienz bei. Entscheidend sei nicht nur, genügend Ärzte und Angehörige anderer Gesundheitsberufe zur Verfügung zu haben. Das Personal müsse auch gezielt auf unterschiedliche Krisenszenarien vorbereitet werden. Dafür fordert die BÄK eine bessere Erfassung verfügbarer Personalressourcen, entsprechende Qualifizierungsmöglichkeiten sowie eine langfristige Nachwuchsförderung und geeignete Arbeitsbedingungen.
„Wir müssen sicherstellen, dass die Ärztinnen und Ärzte und die Angehörigen der weiteren Gesundheitsberufe in Deutschland optimal auf Krisensituationen vorbereitet sind“, erklärt Prof. Dr. Uwe Ebmeyer, Co-Vorsitzender der BÄK-Arbeitsgruppe Resilienz des Gesundheitswesens.
Die Bundesärztekammer fordert deshalb, Resilienz künftig bereits bei der Planung gesundheitspolitischer Reformen zu berücksichtigen und deren Finanzierung sicherzustellen. Damit wird die Krisenvorsorge aus Sicht der Ärzteschaft zunehmend auch zu einer strukturellen Aufgabe für Krankenhäuser und andere Leistungserbringer.




