Pflegepolitik NRW: Kritik an Reformplänen wächst

Pflegekammer sieht Mehrbelastung durch neue Kompetenzen ohne Vergütung

Die Pflegekammer Nordrhein-Westfalen kritisiert die aktuellen Reformpläne zur Ausweitung pflegerischer Kompetenzen scharf. Anlass ist das geplante Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP), das Pflegefachpersonen mehr Aufgaben übertragen soll. Nach Einschätzung der Kammer bleiben jedoch zentrale Fragen zu Vergütung und Entlastung ungeklärt.

Im Kern sieht das Maßnahmenpaket vor, Pflegefachpersonen künftig stärker in die Versorgung einzubinden, etwa durch erweiterte Befugnisse bei der häuslichen Krankenpflege oder bei Verordnungen. Ziel ist es, das Gesundheitssystem effizienter zu gestalten und Kosten zu senken. Aus Sicht der Pflegekammer NRW droht jedoch eine einseitige Verschiebung von Verantwortung ohne entsprechende strukturelle Anpassungen.

Kammerpräsidentin Sandra Postel verweist darauf, dass Pflegekräfte bereits heute regelmäßig Aufgaben übernehmen, die traditionell dem ärztlichen Bereich zugeordnet sind. Diese würden jedoch häufig nicht adäquat vergütet. Die geplante Ausweitung der Kompetenzen verstärke dieses Ungleichgewicht weiter, ohne eine klare finanzielle und organisatorische Grundlage zu schaffen.

Zusätzlich wird die Belastung durch fachfremde Tätigkeiten als zentrales Problem hervorgehoben. Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2025 im Auftrag der Pflegekammern NRW und Rheinland-Pfalz zeigt, dass fast jede zweite Pflegefachperson regelmäßig Aufgaben übernimmt, die nicht zum eigentlichen Berufsprofil gehören. Besonders betroffen sind jüngere Pflegekräfte, bei denen der Anteil noch höher liegt. Insgesamt geben rund 80 Prozent der Befragten an, zumindest gelegentlich fachfremd eingesetzt zu werden.

Für das Krankenhausmanagement ergibt sich daraus eine komplexe Herausforderung. Einerseits eröffnet die Erweiterung pflegerischer Kompetenzen Potenziale zur Entlastung ärztlicher Strukturen und zur Effizienzsteigerung. Andererseits besteht die Gefahr, dass zusätzliche Aufgaben ohne ausreichende Ressourcen und klare Prozessdefinitionen zu weiteren Belastungen führen und die Attraktivität des Pflegeberufs weiter sinkt.

Die Pflegekammer NRW fordert daher eine grundlegende Neuausrichtung. Erweiterte Kompetenzen müssten zwingend mit einer klar definierten Berufsordnung, einer spürbaren Entlastung im Arbeitsalltag und einer angemessenen Vergütung verknüpft werden. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Qualität der Patientenversorgung langfristig gesichert bleibt.

Auch mit Blick auf den Fachkräftemangel sieht die Kammer dringenden Handlungsbedarf. Ein erheblicher Teil der Pflegefachpersonen erwägt laut Studie einen Berufswechsel. Bürokratische Anforderungen, steigender Arbeitsdruck und fachfremde Tätigkeiten gelten als zentrale Gründe für diese Entwicklung.

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