Marburger Bund deckt strukturellen Machtmissbrauch in Kliniken auf

MB-Umfrage 2026: Fast jeder zweite Arzt erlebt Machtmissbrauch – Hohe Dunkelziffer bei sexueller Belästigung

Eine bundesweite Mitgliederbefragung des Marburger Bundes (MB) mit über 9.000 Teilnehmern zeichnet ein alarmierendes Bild des ärztlichen Arbeitsalltags: Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung sind keine Einzelfälle, sondern ein tief sitzendes Strukturproblem in deutschen Krankenhäusern. Wie der MB berichtet, gab knapp die Hälfte der befragten Ärztinnen und Ärzte (49 %) an, in den letzten zwölf Monaten Machtmissbrauch durch Vorgesetzte erlebt zu haben. Bei 14 % der Betroffenen kommt es sogar wöchentlich zu Vorfällen.

Die Befragung, die im Februar und März 2026 durchgeführt wurde, verdeutlicht die Formen dieser Grenzüberschreitungen: Respektloser Umgangston, sachgrundlose Infragestellung der fachlichen Kompetenz sowie öffentliches Bloßstellen vor dem Team oder Patienten rangieren an der Spitze. Besonders kritisch bewertet der Verband die Meldequote: Drei Viertel der Betroffenen schweigen aus Angst vor beruflichen Nachteilen oder mangelndem Vertrauen in die hausinternen Beschwerdestellen.

Zudem berichten 13 % der Befragten von sexueller Belästigung innerhalb nur eines Jahres. Auch hier sind die Vorfälle oft repetitiv; 17 % erleben diese monatlich. MB-Vorsitzende Dr. Susanne Johna fordert angesichts dieser Daten eine radikale Kehrtwende in der Führungskultur. Krankenhäuser müssten verbindliche Richtlinien etablieren und Grenzüberschreitungen konsequent ahnden, statt Abhängigkeitsverhältnisse auszunutzen.

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