Berliner Stromausfall offenbart Defizite in der Krisenvorsorge von Pflege und Gesundheitswesen
DBfK fordert stärkere Einbindung von Pflegefachpersonen in das Krisen- und Katastrophenmanagement
Der großflächige Stromausfall im Südwesten Berlins Anfang Januar 2026 hat die Verwundbarkeit kritischer Infrastrukturen deutlich gemacht. Besonders betroffen war auch das Gesundheits- und Pflegesystem. Wie der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) berichtet, zeigte das Ereignis, dass viele Pflege- und Gesundheitseinrichtungen auf länger andauernde Ausfälle zentraler Versorgungsstrukturen nur unzureichend vorbereitet sind.
Nach Einschätzung des DBfK ist es vor allem dem hohen persönlichen Einsatz der Pflegefachpersonen und anderer Gesundheitsberufe zu verdanken, dass es trotz widriger Umstände nicht zu schwerwiegenden Zwischenfällen gekommen ist. Die Präsidentin des DBfK, Vera Lux, betont: „Dass es in Pflegeeinrichtungen nicht zu schwerwiegenden Zwischenfällen gekommen ist, ist vor allem dem außergewöhnlichen Engagement der Pflegefachpersonen und anderer Gesundheitsberufe zu verdanken.“ Häufig hätten diese unter improvisierten Bedingungen Verantwortung übernommen, da Pflege bislang strukturell nicht ausreichend in das Krisen- und Katastrophenmanagement eingebunden sei.
Forderung nach systematischer Krisenvorsorge unter Einbeziehung der Pflege
Aus Sicht des Berufsverbands macht der Stromausfall deutlich, dass Pflegefachpersonen künftig systematisch und strukturiert auf Krisensituationen vorbereitet werden müssen. Dazu zählen nach Angaben des DBfK unter anderem belastbare Notfall- und Blackout-Pläne, regelmäßige Schulungen und Übungen, ausreichende Vorräte an Medikamenten, Verbrauchsmaterialien und Nahrungsmitteln sowie stromunabhängige Kommunikationswege. Ebenso notwendig seien klare Zuständigkeiten, eindeutige Befehlsketten und eine enge interprofessionelle Zusammenarbeit mit weiteren medizinischen Berufsgruppen und dem Katastrophenschutz.
Zugleich weist der DBfK darauf hin, dass Pflege- und Gesundheitseinrichtungen dafür auch entsprechende finanzielle und strukturelle Ressourcen benötigen. Die Kompetenzen der Pflegefachpersonen müssten in der Krisen- und Katastrophenvorsorge konsequent mitgedacht werden, da ohne die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen eine resiliente Vorbereitung auf Extremereignisse nicht möglich sei.
Internationale Defizite und neue gesetzliche Rahmenbedingungen
Im internationalen Vergleich sieht der DBfK Deutschland bei der Qualifikation und Einbindung von Pflegefachpersonen für den Krisenfall noch im Rückstand. Vera Lux erklärt dazu: „Was die berufliche Qualifikation und Kompetenzen im Krisenfall angeht, sind wir in Deutschland noch nicht so weit wie in anderen Ländern.“ Positiv bewertet der Verband jedoch das Anfang 2026 in Kraft getretene Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP). Die darin vorgesehenen erweiterten Kompetenzen könnten Pflegefachpersonen im Ernstfall zu einem wirksameren und selbstständigeren Handeln befähigen.
Der Berliner Stromausfall wird vom DBfK als weiteres Warnsignal verstanden, das politischen und strukturellen Handlungsbedarf verdeutlicht. Ziel müsse es sein, Pflege, Gesundheitswesen und Gesellschaft insgesamt widerstandsfähiger gegenüber künftigen Krisen und Extremereignissen aufzustellen.






