Fachgesellschaften starten Initiative zur Zertifizierung von Entzündungszentren
Interdisziplinäre Struktur soll Versorgung bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen bundesweit verbessern
Die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen soll in Deutschland künftig stärker strukturiert und interdisziplinär organisiert werden. Mehrere medizinische Fachgesellschaften haben dazu eine gemeinsame Initiative zur Zertifizierung sogenannter Entzündungszentren gestartet.
Beteiligt sind die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) sowie die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Ziel der gemeinsamen Kommission ist es, bundesweit einheitliche Qualitätsstandards für interdisziplinäre Versorgungsstrukturen zu entwickeln und damit die Behandlung komplexer entzündlicher Erkrankungen zu verbessern.
Chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Psoriasis, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Spondylarthritiden betreffen in Deutschland Millionen Menschen. Fachvertreter verweisen darauf, dass sich moderne Therapiekonzepte zunehmend von einer rein organbezogenen Betrachtung lösen und stattdessen immunologische und systemische Krankheitsmechanismen stärker berücksichtigen.
Nach Angaben der Fachgesellschaften sollen zertifizierte Entzündungszentren künftig eine strukturierte Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen sicherstellen. Dabei orientiert sich das Konzept an bestehenden Versorgungsmodellen aus der Onkologie, insbesondere an interdisziplinären Tumorboards und zertifizierten Krebszentren, die bereits seit Jahren als Qualitätsstandard etabliert sind.
Ein zentrales Element der Initiative ist die Entwicklung gemeinsamer Qualitätskriterien für die beteiligten Fachrichtungen Dermatologie, Gastroenterologie und Rheumatologie. Diese sollen die Grundlage für ein abgestuftes System zertifizierter Zentren bilden, das unterschiedliche Versorgungsbedarfe in der Entzündungsmedizin abbildet.
Die Fachgesellschaften betonen zudem die Bedeutung einer verbesserten Datengrundlage. Durch standardisierte Dokumentation und ein gemeinsames nationales Register sollen Krankheitsverläufe künftig systematisch ausgewertet werden. Ziel ist es, Therapieentscheidungen stärker evidenzbasiert zu unterstützen und langfristige Behandlungsergebnisse zu verbessern.
Aus Sicht der Initiatoren ist die zunehmende Komplexität entzündlicher Erkrankungen ein wesentlicher Treiber für diese strukturelle Neuausrichtung. Die enge Verzahnung verschiedener medizinischer Disziplinen soll dazu beitragen, Therapieentscheidungen stärker zu bündeln und die Versorgung langfristig zu optimieren.
Mit der Initiative wird damit ein weiterer Schritt hin zu stärker spezialisierten und zugleich vernetzten Versorgungsstrukturen im deutschen Gesundheitswesen eingeleitet.






