Greifswalder Weltraumforschung untersucht Knochenabbau in Schwerelosigkeit
Unimedizin Greifswald beteiligt sich 2027 an erster Mission auf kommerzieller Raumstation HAVEN-1

Missionslogo des Projektteams für die geplanten Experimente auf der kommerziellen Raumstation HAVEN-1.
Die Universitätsmedizin Greifswald wird 2027 erstmals ein Forschungsprojekt im Weltraum durchführen. Im Rahmen einer Mission auf der kommerziellen Raumstation HAVEN-1 untersucht ein interdisziplinäres Team aus Greifswald und Stralsund die Auswirkungen von Schwerelosigkeit auf die Knochenbildung. Ziel ist es, neue Erkenntnisse für die Behandlung von Osteoporose sowie für die Gesundheit von Astronautinnen und Astronauten zu gewinnen.
Mit dem Projekt betritt die Universitätsmedizin Greifswald wissenschaftliches Neuland. Die Experimente sollen auf der Raumstation HAVEN-1 stattfinden, die nach derzeitigen Planungen im ersten Halbjahr 2027 durch das US-Unternehmen SpaceX in den Orbit gebracht wird. Betreiber der Station ist die US-Firma VAST.
Im Mittelpunkt der Forschung steht die Frage, wie sich die Kommunikation verschiedener Knochenzellen unter Bedingungen der Schwerelosigkeit verändert. Während Astronautinnen und Astronauten während längerer Weltraumaufenthalte erhebliche Mengen an Knochenmasse verlieren, leiden auch Millionen Menschen weltweit an Osteoporose. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen daher auf Erkenntnisse, die sowohl für die Raumfahrtmedizin als auch für die klinische Versorgung von Patientinnen und Patienten von Bedeutung sein könnten.
Das Projekt wird von Frank Schulze aus der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin koordiniert. Gemeinsam mit Forschenden der Urologie der Universitätsmedizin sowie der Hochschule Stralsund sollen biologische Modelle entwickelt werden, die die Wechselwirkungen zwischen Osteozyten und Osteoblasten unter veränderten Gravitationsbedingungen untersuchen.
Zum Einsatz kommen moderne Verfahren des 3D-Bioprintings und der künstlichen Gewebezüchtung. Die Forschenden wollen damit nachvollziehen, wie Störungen der Zellkommunikation entstehen und warum trotz intensiver Trainingsprogramme im Weltraum ein fortschreitender Knochenabbau beobachtet wird. Für die Untersuchungen werden sowohl Forschungsproben der Cells+ Tissuebank Austria als auch Zellen von Patientinnen und Patienten der Universitätsmedizin Greifswald verwendet, die einer wissenschaftlichen Nutzung zugestimmt haben.

Forschungsteam der Unimedizin Greifswald, der Hochschule Stralsund, der YURI GmbH und der Technischen Universität Dresden für die geplanten Experimente auf der kommerziellen Raumstation HAVEN-1.
Foto: © YURI GmbH
Der Weg ins All war für das Vorhaben mit einem anspruchsvollen Auswahlverfahren verbunden. Das Team aus Vorpommern setzte sich gemeinsam mit einem Projekt der Technische Universität Dresden gegen insgesamt 18 Bewerbungen durch. Die Auswahl erfolgte durch die European Space Agency sowie die deutsche Raumfahrtfirma YURI GmbH, die sich auf die Durchführung wissenschaftlicher Experimente im Weltraum spezialisiert hat.
„Wir alle sind extrem stolz darauf, dass wir an dieser Mission teilnehmen können“
Dr.-Ing. Frank Schulze als Projektkoordinator
Parallel zu den Experimenten im Orbit werden Vergleichsuntersuchungen auf der Erde durchgeführt. Als Referenzstandort dient das sogenannte Micro Gravity Research Lab des Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln. Dort können Zellkulturen unter simulierten Schwerelosigkeitsbedingungen untersucht werden, um die Ergebnisse aus dem All wissenschaftlich einzuordnen.
Die Hochschule Stralsund bringt vor allem ingenieurwissenschaftliche Expertise in das Projekt ein. Das Labor für Additive Fertigung und digitale Produktentwicklung unterstützt die Entwicklung der Versuchstechnik und der Forschungsinfrastruktur.
Für die Universitätsmedizin Greifswald markiert die Teilnahme an der ersten HAVEN-1-Mission einen bedeutenden Schritt in der internationalen Forschungslandschaft. Gleichzeitig stärkt das Projekt die Sichtbarkeit des Wissenschaftsstandortes Vorpommern in einem hochinnovativen Forschungsfeld zwischen Raumfahrt, Biotechnologie und Medizin.




