Unerwartetes Aus: St. Johannes Krankenhaus Kamenz schließt Kreißsaal
Träger kündigt Betriebseinstellung zum 1. Juni an – Wirtschaftlicher Druck und sinkende Geburtenzahlen erzwingen Kurswechsel
Die Oberlausitz verliert einen weiteren Standort für Geburtshilfe: Wie der MDR berichtet, wird das St. Johannes Krankenhaus in Kamenz seine Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe zum 31. Mai 2026 schließen. Die Entscheidung kommt für die Region völlig überraschend, da die Klinikleitung entsprechende Gerüchte noch im März öffentlich dementiert hatte. Während die stationäre Geburtsstation wegfällt, soll die ambulante gynäkologische Versorgung vor Ort erhalten bleiben.
Der Krankenhausträger, die St. Johannes Kamenz GmbH, begründet diesen Schritt mit einer Kombination aus demografischen und regulatorischen Faktoren. So sank die Zahl der Geburten von über 400 im Jahr 2022 auf zuletzt nur noch 316 im vergangenen Jahr. Parallel dazu erschweren steigende Anforderungen an die Personal- und Dienstplanung den Betrieb. Unabhängig von der tatsächlichen Auslastung muss eine fachärztliche 24/7-Präsenz vorgehalten werden, was die Abteilung angesichts der geringen Fallzahlen in die Defizitzone geführt hat.
Neben den Geburtenzahlen führt die Geschäftsführung die strikten gesetzlichen Mindestmengen für onkologische Brustoperationen als Grund an, die am Standort nicht mehr erreicht werden können. Die Entscheidung sei kurzfristig getroffen worden, um durch die Aufgabe des defizitären Bereichs die wirtschaftliche Stabilität der übrigen Leistungsbereiche des Hauses nicht zu gefährden.






