Regensburger Kliniken warnen vor finanziellen Engpässen und Folgen für Patientinnen und Patienten

Bundespolitische Einsparungen bedrohen Versorgungsqualität und Investitionen – Krankenhäuser fordern verlässliche Finanzierungs- und Planungsgrundlagen

Bei einem Pressegespräch im Landratsamt Regensburg am 11. November 2025 betonten Vertreterinnen und Vertreter der regionalen Kliniken gemeinsam mit Politikern die dringende Notwendigkeit verlässlicher Finanzierungs- und Planungsgrundlagen für die Krankenhausversorgung in Stadt und Landkreis Regensburg. Anlass waren die geplanten bundespolitischen Änderungen, insbesondere die Streichung der Meistbegünstigungsklausel, die Einsparungen von 1,8 Milliarden Euro im stationären Bereich vorsieht.

Die Krankenhäuser in der Region arbeiten seit Jahren eng vernetzt und haben Spezialisierungen definiert, um Patientinnen und Patienten optimal zu versorgen. Landrätin Tanja Schweiger hob hervor: „Unsere Kliniken stellen sicher, dass Patientinnen und Patienten dort behandelt werden, wo sie die bestmögliche Versorgung erhalten. Regensburg hat seine Hausaufgaben gemacht. Nicht zukunftsfähige Standorte wurden bereits einer anderen Nutzung zugeführt, Versorgungsstrukturen gebündelt und die trägerübergreifende Zusammenarbeit gestärkt.“

Die ärztlichen Direktoren der Barmherzigen Brüder Regensburg, Prof. Dr. Michael Pfeifer und Prof. Dr. Michael Kabesch, warnten: „Fehlende finanzielle Mittel betreffen nicht nur die medizinische Versorgung, sondern gefährden auch dringend notwendige Investitionen in Medizintechnik, digitale Infrastruktur und bauliche Erneuerungen. Fehlende Finanzierung heißt zugleich Versorgungsengpässe: Stillstand statt Weiterentwicklung gefährdet die Qualität und belastet zusätzlich das Personal.“

Prof. Dr. Sylvia Pemmerl (Caritas-Krankenhaus St. Josef Regensburg) betonte, dass freigemeinnützige Kliniken besonders betroffen seien, da sie keine Ausgleichsmöglichkeit durch Steuergelder hätten. Prof. Dr. Thomas Baghai (medbo) warnte vor Gefährdungen in der psychiatrischen Notfallversorgung und der Schlaganfallversorgung. Martin Rederer (Kreisklinik Wörth a. d. Donau) kritisierte das geplante Vorhaltebudget als „Mogelpackung“, das Unsicherheit und wirtschaftlichen Druck auf Kliniken aufrechterhalte.

Prof. Dr. Oliver Kölbl, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Regensburg, betonte die Bedeutung einer abgestuften Versorgungsstruktur: kleinere Häuser übernehmen Basisversorgung, das UKR hochkomplexe Fälle. Fehlende Anpassungen des Landesbasisfallwertes gefährden diese Balance und könnten zu unkoordinierten Krankenhausschließungen führen.

Ein weiteres Problem ist die Bürokratisierung: Ärztinnen und Ärzte verbringen laut Analyse des Marburger Bundes im Durchschnitt drei Stunden täglich mit Dokumentation, zulasten der direkten Patientenversorgung.

Abschließend unterstrich Prof. Dr. Georg Stephan Barfuß, Vertreter der Stadt Regensburg: „Die Krankenhäuser der Region stehen für hohe medizinische Kompetenz und Qualität. Wir tragen gemeinsam Verantwortung für die Menschen in Stadt und Landkreis Regensburg – diese Strukturen müssen erhalten bleiben.“

Hintergrund: Die Krankenhäuser erhalten durch das Krankenhausreformänderungsgesetz (KHAG) Sofort-Transformationshilfen in Höhe von vier Milliarden Euro. Durch das geplante 1,8-Milliarden-Euro-Sparprogramm der Bundesregierung bleiben davon 2026 lediglich 2,2 Milliarden Euro, wodurch erhebliche finanzielle Engpässe drohen.