Rechnungshof kritisiert stark gestiegene Kosten und Interessenkonflikte bei pathologischen Leistungen in Tirol
Pathologie-Vergabe am LKH Innsbruck unter der Lupe – Zusammenarbeit mit Medizinischer Universität dringend empfohlen
Mit ungewöhnlicher Deutlichkeit kritisiert der österreichische Rechnungshof in seinem aktuellen Bericht zur Innpath GmbH die Entwicklung der pathologischen Leistungsstruktur am Landeskrankenhaus (LKH) Innsbruck. Die im Jahr 2018 gegründete Innpath GmbH sollte ursprünglich für Stabilität sorgen – stattdessen stiegen die Kosten für pathologische Leistungen bei den Tirol Kliniken zwischen 2017 und 2023 auf das Vierfache, von 2,29 Mio. € auf 9,63 Mio. €. Der Rechnungshof sieht dringenden Reformbedarf.
Ein zentrales Ergebnis der Prüfung: Die Tirol Kliniken GmbH zahlte 2023 rund 97 Prozent der Gesamtkosten für pathologische Leistungen an die Innpath GmbH. Bemerkenswert dabei: Die Tagespauschalen für allgemeine Pathologie stiegen in fünf Jahren um 90 Prozent, für Molekularpathologie sogar um 237 Prozent (von 2.400 auf 8.080 Euro seit 2020). Die pauschalen Leistungsentgelte leiteten sich dabei aus den tatsächlichen Aufwendungen der Innpath GmbH ab und wurden ohne Leistungsverknüpfung jährlich im Nachhinein vereinbart.
Der Rechnungshof empfiehlt, die Kostentreiber systematisch zu analysieren und Maßnahmen zur Kostendämpfung zu entwickeln – auch angesichts der Tatsache, dass weitere Kliniken der Tirol Kliniken GmbH (Hall, Natters) künftig in die Versorgung durch die Innpath eingebunden werden sollen.
Besonders kritisch bewertet der Rechnungshof die Geschäftsbeziehungen der Innpath GmbH mit einem Labor, das von einem ihrer Geschäftsführer betrieben wurde. Zwischen 2018 und 2023 wurden 530.000 Euro für Randzeitenabdeckungen gezahlt – obwohl der Dienstvertrag mit dem Geschäftsführer explizit Mehrdienstleistungen vorsah. In Summe hatte dieser sieben Nebenbeschäftigungen im Jahr 2024, darunter auch Tätigkeiten in anderen Pathologie-Instituten. Eine regelmäßige Genehmigung oder Kontrolle dieser Tätigkeiten erfolgte nicht.
„Die Risiken für Qualität, Leistungssicherheit, Pathologenausbildung und Finanzierbarkeit steigen mit einer Abhängigkeit des öffentlichen Krankenanstaltenbereichs von nicht-öffentlichen Strukturen“, so der Rechnungshof in seinem Prüfbericht.
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt: Die fehlende Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Innsbruck. Diese hatte bis 2016 pathologische Leistungen für das LKH Innsbruck erbracht, stellte diese jedoch nach jahrelangen Konflikten mit der Tirol Kliniken GmbH ein. Seitdem habe es „großteils erfolglose Kooperationsbemühungen“ gegeben. Die Folge: Facharztausbildung in der Pathologie fand über Jahre in Tirol nicht mehr statt, auch Forschung und Lehre litten unter den fehlenden Fallzahlen.
„Die Pathologie ist als Querschnittsfach integraler Bestandteil der Patientenversorgung und der Krebsdiagnostik“, betont der Rechnungshof. Eine enge Kooperation zwischen öffentlicher Forschungseinrichtung und Krankenhausträger sei daher zwingend erforderlich.
Abschließend fordert der Rechnungshof eine strategische Neuausrichtung: Die Innpath GmbH, die Tirol Kliniken GmbH sowie die Medizinische Universität Innsbruck sollen zeitnah eine strukturierte Zusammenarbeit etablieren. Ziel müsse es sein, Synergien zu nutzen, die Ausbildung sicherzustellen und öffentliche Mittel effizient einzusetzen.






