Mehr als zwei Millionen Österreicher:innen von psychischen Erkrankungen betroffen
ÖGPP fordert umfassenden Ausbau psychiatrischer Versorgung und Ausbildungsoffensive
Rund 2,1 Millionen Menschen in Österreich leben mit einer psychiatrischen Erkrankung – das entspricht laut aktuellen wissenschaftlichen Analysen 22,7 % der Bevölkerung. Besonders betroffen sind Frauen mit einer Prävalenzrate von rund 25 %, wie Prof. Johannes Wancata von der Medizinischen Universität Wien und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP) erklärt.
Die häufigsten Erkrankungen sind Depressionen (10 %), Angststörungen (6,8 %) sowie Alkoholmissbrauch oder -abhängigkeit (3,5 %). Parallel dazu warnt die ÖGPP vor einer dramatischen Zunahme von Demenzerkrankungen: Bis 2050 werde sich die Zahl der Betroffenen auf etwa 290.000 Personen nahezu verdoppeln.
„Diese Zahlen zeigen deutlich, dass wir die psychiatrische Versorgung in Österreich dringend ausbauen müssen – sowohl in den Spitälern als auch im niedergelassenen Bereich“, mahnt Prim. Dr. Christian Korbel, Präsident der ÖGPP. Derzeit herrsche ein akuter Psychiater:innenmangel, wodurch Patient:innen oft monatelang auf Termine warten müssten.
Die ÖGPP fordert deshalb:
- den Ausbau multiprofessioneller Teams,
- mehr spezialisierte Versorgungsangebote,
- eine Stärkung der Prävention,
- sowie eine Ausbildungsoffensive zur langfristigen Sicherung der psychiatrischen Versorgung.
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verursachen psychische Erkrankungen weltweit jährliche Kosten von rund einer Billion US-Dollar. Dennoch machen staatliche Ausgaben für psychische Gesundheit im Durchschnitt nur zwei Prozent der Gesundheitsbudgets aus – eine Quote, die seit 2017 unverändert geblieben ist.
„Psychische Gesundheit muss endlich als gesundheitspolitische Priorität anerkannt werden“, fordert Korbel. Die Politik sei gefordert, strukturelle Reformen einzuleiten, bürokratische Hürden abzubauen und die Versorgung an die demografischen und gesellschaftlichen Herausforderungen anzupassen.




