Oberschwabenklinik versorgt fast 175.000 Patienten – Defizit bei über 23 Millionen Euro
OSK steigert Patientenzahlen und baut Personal aus – Finanzierungslücke belastet Krankenhausverbund
Die Oberschwabenklinik gGmbH (OSK) hat im Geschäftsjahr 2025 trotz steigender Patientenzahlen und positiver Entwicklungen beim Personal erneut ein deutliches Defizit verzeichnet. Insgesamt behandelte der Klinikverbund mit seinen Standorten und Medizinischen Versorgungszentren fast 175.000 Menschen. Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Situation angespannt: Der Jahresfehlbetrag lag bei 23,192 Millionen Euro.
OSK-Geschäftsführer Franz Huber stellte die wirtschaftlichen Kennzahlen am 14. Juli 2026 im Kreistag des Landkreises Ravensburg vor. Die medizinische Leistungsentwicklung zeigt dabei eine weiterhin hohe Nachfrage nach den Angeboten des Klinikverbunds.
Im Jahr 2025 versorgte die Oberschwabenklinik insgesamt 174.900 Patientinnen und Patienten. Das entspricht einem Anstieg um 8.394 Fälle gegenüber dem Vorjahr. Stationär wurden einschließlich der geriatrischen Rehabilitation 37.660 Menschen behandelt. Auch die ambulante Versorgung entwickelte sich positiv: Mit 103.956 Fällen wurden rund 3.000 ambulante Behandlungen mehr als im Jahr 2024 durchgeführt.
Eine deutliche Steigerung verzeichneten zudem die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) der OSK. In den Einrichtungen in Ravensburg, Wangen, Bad Waldsee und Isny wurden 33.297 Patienten behandelt – rund 5.000 mehr als im Vorjahr. Seit Anfang 2026 gehören außerdem die MVZ in Friedrichshafen und Tettnang zum Verbund.
„Die Leistungsbilanz unserer 3.300 Mitarbeitenden ist erneut beeindruckend. Wirtschaftlich kann das Ergebnis dennoch niemanden zufriedenstellen“, erklärte OSK-Geschäftsführer Franz Huber. Die Mitarbeitenden leisteten täglich hervorragende Arbeit, jedoch bilde das derzeitige Finanzierungssystem diese Leistungen nicht ausreichend ab.
Notaufnahmen zunehmend belastet
Besonders sichtbar wird die steigende Belastung in den Zentralen Notaufnahmen der Oberschwabenklinik. Im Jahr 2025 wurden dort insgesamt 76.532 medizinische Notfälle behandelt, darunter 10.454 Kinder. Auf das St. Elisabethen-Klinikum Ravensburg entfielen 54.284 Notfälle, auf das Westallgäu-Klinikum Wangen weitere 22.248 Fälle.
Nach Angaben der OSK ist die Zahl der Notfallbehandlungen innerhalb von fünf Jahren um rund 44 Prozent gestiegen. Ursache seien unter anderem Veränderungen in der regionalen Krankenhauslandschaft, darunter die Schließung der Standorte Tettnang und Lindenberg. Dadurch verlagere sich ein größerer Anteil der Notfallversorgung auf die bestehenden Strukturen der Oberschwabenklinik.
„Unsere Notaufnahmen übernehmen eine immer größere Verantwortung für die medizinische Versorgung der Region. Die notwendige Vorhaltung von Personal, Diagnostik und Behandlungskapazitäten wird jedoch nicht kostendeckend finanziert“, kritisierte Huber.
Kritik am GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz
Grundsätzlich bewertet die OSK die Krankenhausreform positiv. Die Konzentration medizinischer Leistungen sowie die Einführung von Vorhaltevergütungen seien wichtige Schritte für eine langfristig stabile Krankenhausversorgung.
Kritisch sieht der Klinikverbund hingegen das am 10. Juli 2026 vom Bundestag beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Nach Einschätzung der OSK verschärfe die Regelung die wirtschaftliche Belastung der Krankenhäuser. Durch den Wegfall des Rechnungszuschlags und weitere Auswirkungen könnten sich die Belastungen für die OSK auf mindestens zehn Millionen Euro jährlich erhöhen.
„Das Gesetz löst kein Finanzierungsproblem, sondern verschiebt in unserem Fall die Lasten von den Krankenkassen auf die Kommunen“, so Franz Huber.
Hoffnungen setzt die OSK auf die anstehende Vergabe der Leistungsgruppen in Baden-Württemberg. Eine regionale Betrachtung zwischen Bodensee und Ulm könne aus Sicht des Klinikverbunds langfristig zu einer besseren Struktur und wirtschaftlichen Stabilisierung beitragen.
Die OSK bedauere weiterhin, dass der geplante Zusammenschluss mit dem Medizin Campus Bodensee nicht zustande gekommen ist. „Gemeinsam mit dem Landkreis Ravensburg hatten wir eine Lösung vorgeschlagen, die aus unserer Sicht allen Beteiligten gerecht geworden wäre und die Versorgung in der gesamten Region langfristig gesichert hätte.“
Personalentwicklung und weniger Leiharbeit verbessern Ergebnis
Ein wesentlicher Faktor für die Stabilisierung des Ergebnisses war der Abbau von Leiharbeit. Die Ausgaben für externe Pflegekräfte konnten 2025 um 4,7 Millionen Euro reduziert werden.
Parallel entwickelte sich die Pflege positiv. Durchschnittlich beschäftigte die OSK 678 Vollzeitkräfte im Pflegebereich – 69 mehr als im Vorjahr. Zudem investiert der Klinikverbund verstärkt in Ausbildung und internationale Fachkräftegewinnung. Insgesamt absolvierten 310 junge Menschen 2025 eine Ausbildung in einem Gesundheitsberuf bei der OSK. Der Anteil internationaler Pflegeschülerinnen und Pflegeschüler stieg auf 38 Prozent.
Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sieht die Oberschwabenklinik ihre strategische Weiterentwicklung als notwendig an. Die kommenden Entscheidungen zur Krankenhausreform und Leistungsgruppenplanung werden maßgeblich bestimmen, welche Rolle der Klinikverbund künftig in der regionalen Versorgung übernehmen kann.




