Medizin Campus Bodensee: Kreistag entscheidet sich für AMEOS

Sicherstellung der stationären Versorgung im Bodenseekreis künftig unter neuer Trägerschaft – umfassendes Klinik- und Investitionskonzept beschlossen

Klinikum Friedrichshafen

Klinikum Friedrichshafen
Foto: Medizin-Campus Bodensee

Der Kreistag des Bodenseekreis hat am 13. Mai 2026 entschieden, die künftige Trägerschaft für den insolventen Medizin Campus Bodensee an die AMEOS Gruppe zu vergeben. Damit soll die stationäre medizinische Versorgung im gesamten Versorgungsgebiet langfristig gesichert werden. Die Entscheidung umfasst umfangreiche finanzielle Verpflichtungen des Landkreises sowie tiefgreifende strukturelle Veränderungen im Kliniknetz.

Der Bodenseekreis steht damit vor einer grundlegenden Neuordnung seiner stationären Versorgungsstruktur. Auslöser war die Entscheidung der Stadt Friedrichshafen im Sommer 2025, sich aus der Trägerschaft des Medizin Campus Bodensee zurückzuziehen, was letztlich zur Insolvenzanmeldung führte. In der Folge übernahm der Landkreis im Rahmen seiner Sicherstellungsverpflichtung nach Krankenhausrecht die Aufgabe, einen neuen Betreiber für die stationäre Versorgung zu finden.

Im nun abgeschlossenen Bieterverfahren standen zwei Konzepte zur Auswahl: die AMEOS Gruppe sowie die Oberschwabenklinik. Der Kreistag entschied sich mit knapper Mehrheit für das AMEOS-Konzept, das den Standort Friedrichshafen als zentralen stationären Versorgungsstandort weiterentwickeln soll. Geplant ist ein breites Leistungsspektrum, das unter anderem Innere Medizin, Chirurgie, Neurologie, Gynäkologie, Pädiatrie, Intensivmedizin sowie eine Stroke Unit umfasst.

Für den zweiten Standort in Tettnang sieht das Konzept hingegen keine Fortführung des stationären Krankenhausbetriebs vor. Diese Entscheidung dürfte strukturelle Auswirkungen auf die regionale Versorgungslandschaft haben und insbesondere die ambulante und sektorenübergreifende Versorgung stärker in den Fokus rücken.

Finanziell bedeutet der Trägerwechsel erhebliche Belastungen für den Landkreis. Neben einmaligen Unterstützungsleistungen und Ausgleichszahlungen sind bis 2033 weitere Defizitausgleiche vorgesehen. Insgesamt bewegen sich die kommunalen Verpflichtungen im hohen zweistelligen Millionenbereich. Zusätzlich beteiligt sich auch die Stadt Friedrichshafen an den Finanzierungsstrukturen des neuen Modells.

Zentraler Bestandteil der Vereinbarung ist zudem der geplante Klinikneubau in Friedrichshafen mit rund 340 Betten und einem Investitionsvolumen von etwa 230 Millionen Euro. Die Finanzierung soll überwiegend durch die AMEOS-Gruppe erfolgen, während mögliche Förderlücken durch das Land Baden-Württemberg zusätzliche Risiken für die öffentliche Hand bedeuten könnten.

Landrat Luca Wilhelm Prayon betonte im Anschluss an die Entscheidung die Bedeutung einer stabilen Versorgungssicherheit, verwies jedoch zugleich auf die erheblichen finanziellen Herausforderungen für den Kreishaushalt. Der Übergang der Klinikstrukturen ist frühestens für Juli 2026 vorgesehen, vorbehaltlich der Zustimmung im Insolvenzverfahren.

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