Oberschwabenklinik 2024: Leistungen steigen – Defizit sinkt

OSK sieht positive Entwicklung, warnt aber vor struktureller Unterfinanzierung und fordert Reformen

Die Oberschwabenklinik GmbH (OSK) hat im Geschäftsjahr 2024 sowohl bei der Patientenversorgung als auch bei der Personalentwicklung deutliche Fortschritte erzielt. Gleichzeitig konnte das Jahresdefizit um 8,5 Millionen Euro auf –23,3 Millionen Euro reduziert werden. Dennoch mahnt OSK-Geschäftsführer Franz Huber angesichts anhaltend schlechter Rahmenbedingungen grundlegende Reformen im Gesundheitswesen an.

Leistungsanstieg nach Klinikschließung

Besonders spürbar war der Leistungszuwachs nach der 2023 erfolgten Schließung des Krankenhauses in Lindenberg. In Wangen stieg die Zahl der Notfallbehandlungen um mehr als 20 Prozent auf 20.646. Insgesamt zählte die OSK 75.178 Notfälle – darunter 12.019 Kindernotfälle. Auch die stationären Fallzahlen legten zu: 37.291 Fälle bedeuten ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Ravensburg wurden 6,1 Prozent mehr Fälle versorgt (27.220), in Wangen 2,7 Prozent mehr (9.482).

Ambulant wurden 129.215 Patientinnen und Patienten behandelt – ebenfalls ein Anstieg um 4,6 Prozent. Die durchschnittliche Verweildauer blieb mit 5,02 Tagen konstant.

„Die gestiegenen Fallzahlen in unseren Krankenhäusern in Ravensburg und Wangen zeigen deutlich, wie sehr die Menschen im Landkreis auf unsere medizinische Versorgung vertrauen“, erklärt Geschäftsführer Franz Huber. „Dieser Erfolg ist vor allem dem großen Engagement und der hohen Kompetenz unserer Mitarbeitenden zu verdanken.“

Pflegepersonal: Stabilisierung durch Zuwachs und Ausbildung

Positiv entwickelte sich auch das Pflegepersonal: Im Jahresdurchschnitt waren 608,6 Vollkräfte tätig – ein Zuwachs von 23,6 Stellen. Die Zahl der Neueintritte übertraf deutlich die der Austritte. Erste Analysen deuten darauf hin, dass sich dieser Trend im laufenden Jahr fortsetzt. Auch in der Ausbildung erreichte die OSK mit 287 Auszubildenden (davon 218 in der Pflege) ein neues Rekordniveau.

„Wir erhalten mehr personelle Stabilität und können dadurch mehr Betten belegbar machen“, so Huber weiter.

Finanzen: Weniger Defizit – aber Leiharbeit bleibt Kostenfaktor

Das operative Betriebsergebnis verbesserte sich 2024 auf –22,5 Millionen Euro (Vorjahr: –39 Mio. Euro). Der Umsatz stieg auf den Rekordwert von 258,2 Millionen Euro (Vorjahr: 226,7 Mio. Euro). Dabei legten allein die stationären Leistungen um 28 Millionen Euro auf 201,8 Millionen Euro zu.

Gleichzeitig bleibt die Leiharbeit ein erheblicher Belastungsfaktor: 16,4 Millionen Euro flossen in externe Kräfte, davon 8,7 Millionen Euro allein in die Leihpflege. Zwar konnte die Zahl der Leihkräfte stabil gehalten werden, doch das Ziel bleibt, diesen Einsatz bis Ende 2025 zu halbieren.

Forderung nach struktureller Reform

Trotz positiver Entwicklungen bleibt die finanzielle Lage angespannt. OSK-Geschäftsführer Franz Huber kritisiert: „Die strukturelle Unterfinanzierung der Krankenhäuser bleibt ungelöst. Besonders die Notfallversorgung bringt viele Kliniken in eine Schieflage.“

Viele Patienten hätten keine stationäre Behandlung benötigt, doch es fehle an alternativen ambulanten Versorgungsstrukturen. Deshalb fordert die OSK unter anderem:

  • einen Inflationsausgleich von 4 Prozent auf die Landesbasisfallwerte
  • eine Reform der Notfallversorgung, die Kliniken entlastet
  • eine Krankenhausplanung nach Leistungsgruppen, nicht nach Bettenzahlen

Zudem zeigt sich die OSK für die geplante Krankenhausreform gut vorbereitet. Durch die Konzentration auf die Standorte Ravensburg und Wangen sei die Klinikstruktur bereits konsolidiert. Huber betont: „Unser Klinikverbund hat seine Hausaufgaben gemacht. Diskussionen, die andernorts noch ausstehen, wurden im Landkreis Ravensburg bereits geführt und abgeschlossen.“

Er begrüßt den bundesweiten Wechsel hin zu medizinischen Leistungsgruppen. Qualität, Spezialisierung und regionale Abstimmung – etwa mit Partnern in Oberschwaben, im Allgäu und am Bodensee – sollen künftig die Versorgung sichern.