Lahn-Dill-Kliniken ziehen positive Bilanz und formulieren Erwartungen an die Gesundheitsversorgung
Neujahrsempfang blickt auf 2025 zurück und adressiert demografischen Wandel, Fachkräftemangel und Reformbedarf
Beim Neujahrsempfang der Lahn-Dill-Kliniken Ende Januar zogen die Verantwortlichen des Klinikverbunds eine überwiegend positive Bilanz für das Jahr 2025 und formulierten zugleich klare Erwartungen an die künftige Ausgestaltung der Gesundheitsversorgung in der Region. Tobias Gottschalk, Sprecher der Geschäftsführung, Landrat Carsten Braun sowie Priv.-Doz. Dr. Erich Lotterer, Ärztlicher Direktor des Klinikums Wetzlar-Braunfels, dankten den Mitarbeitenden aller Berufsgruppen und den regionalen Partnern für die vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Geschäftsführer Tobias Gottschalk bezeichnete 2025 als ein gutes Jahr für die Lahn-Dill-Kliniken. Als zentralen Meilenstein hob er die Zertifizierung des Onkologischen Zentrums und dessen Aufnahme in den Krankenhausplan des Landes Hessen hervor. Diese Anerkennung stehe für eine hohe medizinische Qualität, eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie eine verlässliche onkologische Versorgung in der Region. Weitere wichtige Entwicklungen seien die Einführung des robotischen Operationssystems ROSA für die Knieendoprothetik am Standort Dillenburg, der neue Kreißsaal am Klinikum Wetzlar sowie die Gewinnung neuer ärztlicher Führungspersönlichkeiten für das Jahr 2026.
Mit Blick auf die kommenden Jahre verwies Gottschalk auf die tiefgreifenden Veränderungen im Gesundheitswesen. Der demografische Wandel werde zu einer zunehmenden Zahl altersassoziierter Erkrankungen und Pflegebedarfe führen, während sich der Fachkräftemangel in Medizin und Pflege weiter verschärfe. Kurzfristige Lösungen seien nicht absehbar. Umso wichtiger sei es, Verantwortung vor Ort zu übernehmen und Veränderungen aktiv zu gestalten.
Landrat Carsten Braun hob die wirtschaftliche Stabilität des Klinikverbunds hervor. Die Lahn-Dill-Kliniken benötigten aktuell keine finanziellen Zuschüsse des Landkreises. Dies sei das Ergebnis verantwortungsvoller Steuerung, kluger Entscheidungen sowie des kontinuierlichen Einsatzes der Beschäftigten und der Geschäftsführung. Zugleich bekannte sich Braun ausdrücklich zur kommunalen Trägerschaft, die eine patientenorientierte und verlässliche Gesundheitsversorgung ermögliche. Wirtschaftliche Stabilität bedeute jedoch auch Verantwortung, einen unvermeidlichen Wandel im Gesundheitswesen sachlich und gemeinsam zu gestalten.
Der Ärztliche Direktor Priv.-Doz. Dr. Erich Lotterer blickte ebenfalls auf ein herausforderndes Jahr 2025 zurück, in dem trotz anspruchsvoller politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen verantwortungsvoll zusammengearbeitet worden sei. Mit Blick auf die Gesundheitspolitik machte er deutlich, dass strukturelle Reformen weiterhin dringend notwendig seien. Trotz jährlicher Ausgaben von rund 500 Milliarden Euro im Gesundheitswesen zeigten sich bei zentralen Gesundheitsindikatoren, etwa der Lebenserwartung, weiterhin Unterschiede im europäischen Vergleich. Als Herausforderungen nannte er unter anderem historisch gewachsene Krankenhausstrukturen, finanzielle Anreizmechanismen, den Fachkräftemangel sowie hohe bürokratische Anforderungen. Auch die Digitalisierung werde bislang häufig eher als zusätzlicher Aufwand denn als Entlastung wahrgenommen.
Abschließend betonte Lotterer, dass das Gesundheitssystem nur durch gemeinsames und konstruktives Handeln weiterentwickelt werden könne. Veränderungen erforderten Zeit, Geduld und Bereitschaft zur Weiterentwicklung. Trotz bestehender Unsicherheiten sei Zuversicht angebracht, da Veränderungen auch neue Chancen eröffnen könnten.




