Klinikum Freising droht Liquiditätsengpass im Dezember

Defizit könnte 2027 auf 17,5 Millionen Euro steigen – Kreistag berät über Maßnahmen zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit

Das kommunale Klinikum Freising steht angesichts steigender Jahresverluste vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Nach einem testierten Fehlbetrag von rund 7,8 Millionen Euro für 2025 rechnet die Geschäftsführung für das laufende Jahr mit einem Defizit von 12,4 Millionen Euro. Für 2027 wird ein Verlust von bis zu 17,5 Millionen Euro befürchtet. Bereits im Dezember 2026 könnte die Liquidität des Krankenhauses gefährdet sein, wie der Münchner Merkur berichtet.

Der Kreistag Freising soll deshalb am 22. Oktober 2026 über mehrere Maßnahmen zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit entscheiden. Auf der Tagesordnung stehen insbesondere der Verlustausgleich für das Geschäftsjahr 2025 sowie die wirtschaftliche Stabilisierung und strategische Weiterentwicklung des Klinikums. (1)

Landkreis soll Kreditrahmen deutlich ausweiten

Zur kurzfristigen Liquiditätssicherung ist nach der Berichterstattung des Münchner Merkur vorgesehen, den bisherigen Kontokorrentrahmen des Klinikums von fünf auf 15 Millionen Euro zu erhöhen. Damit verbunden wäre eine entsprechende Ausweitung des Bürgschaftsrahmens durch den Landkreis. Hierfür wäre noch die Zustimmung der Regierung von Oberbayern erforderlich.

Zudem soll der Landkreis den noch ausstehenden Verlustausgleich für 2025 vorzeitig auszahlen. Von dem testierten Jahresfehlbetrag in Höhe von rund 7,8 Millionen Euro wurden bereits 6,5 Millionen Euro ausgeglichen. Der verbleibende Betrag von rund 1,28 Millionen Euro soll angesichts der angespannten Liquiditätslage früher bereitgestellt werden.

Auch ein bestehendes Darlehen über fünf Millionen Euro steht zur Entscheidung. Der Landkreis hatte dem Klinikum die Mittel während der Corona-Pandemie zur Verfügung gestellt. Nachdem eine fristgerechte Rückzahlung nicht möglich war, wurde die Laufzeit bereits 2024 verlängert. Nun soll das bisher endfällige Darlehen in ein Ratendarlehen mit einer Laufzeit von 35 Jahren umgewandelt werden.

Nach Angaben aus den Beratungen würde eine sofortige Rückzahlung des Darlehens die Zahlungsfähigkeit des Klinikums zusätzlich gefährden.

Ausbau von Notaufnahme und Intensivmedizin vorerst zurückgestellt

Die wirtschaftliche Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die geplante bauliche Modernisierung des Klinikums. Der vierte Bauabschnitt, der unter anderem zusätzliche intensivmedizinische Kapazitäten und die Modernisierung der Zentralen Notaufnahme vorsieht, soll nach Einreichung des Bauantrags zunächst nicht weitergeplant werden.

Hintergrund sind die ungeklärte Gesamtfinanzierung und die noch nicht abschließend absehbaren Auswirkungen der Krankenhausreform. Lediglich notwendige vorbereitende Maßnahmen im Umfang von rund 400.000 Euro sollen fortgeführt werden.

Für den Bauabschnitt hatte der Freistaat Bayern bereits Fördermittel in Höhe von 39,23 Millionen Euro ab 2028 in Aussicht gestellt. Die Finanzierung des Gesamtprojekts ist damit allerdings noch nicht vollständig gesichert, da weitere Eigenmittel des Landkreises erforderlich wären. (2)

Wirtschaftliche Neuausrichtung soll geprüft werden

Neben den kurzfristigen Liquiditätsmaßnahmen steht auch die langfristige wirtschaftliche Strategie des Klinikums zur Diskussion. Trotz bereits eingeleiteter organisatorischer Veränderungen und der Weiterentwicklung medizinischer Leistungsschwerpunkte ist bislang keine nachhaltige Ergebnisverbesserung erkennbar.

Wie der Münchner Merkur berichtet, soll deshalb ein externes Gutachten untersuchen, ob die derzeit geplante medizinische Ausrichtung wirtschaftlich tragfähig ist und welche strukturellen Anpassungen gegebenenfalls erforderlich werden könnten.

Die steigenden Fehlbeträge verdeutlichen den finanziellen Handlungsdruck für den kommunalen Krankenhausträger. Dabei geht es nicht nur um die kurzfristige Sicherung der Zahlungsfähigkeit, sondern auch um die künftige Finanzierung medizinischer Leistungen und notwendiger Investitionen.

Der Kreisausschuss hat entsprechende Maßnahmen bereits vorberaten. Die Entscheidung über die vorgeschlagenen Finanzhilfen und die vorläufige Unterbrechung der Bauplanung liegt nun beim Kreistag am 22. Oktober 2026.