Geburtshilfe in Klinik Tettnang ist zum 30. März eingestellt

Medizin Campus Bodensee beendet Kreißsaalbetrieb – zwölf Beleghebammen scheiden aus

In der Klinik Tettnang endet die geburtshilfliche Versorgung zum 30. März 2026. Hintergrund ist das im Rahmen eines Markterkundungsverfahrens des Medizin Campus Bodensee (MCB) entwickelte Szenario, bei dem keine der drei vorgelegten strategischen Optionen eine Fortführung der Geburtshilfe am Standort vorsieht. In der Folge haben die zwölf dort tätigen Beleghebammen die Aufhebung ihrer Verträge zum 1. April 2026 beantragt.

Damit endet in Tettnang ein rund 20-jähriges Beleghebammen-Modell, das die geburtshilfliche Versorgung des Hauses maßgeblich geprägt hat. Nach Angaben der Klinikleitung wurde die Entscheidung in enger Abstimmung mit den Hebammen getroffen. Die Verantwortlichen betonen zugleich die langjährige und stabile Zusammenarbeit im Kreißsaalbetrieb sowie die kontinuierliche Versorgung werdender Mütter über viele Jahre hinweg.

Die Entwicklung steht auch im Kontext rückläufiger Geburtenzahlen am Standort. Während im Jahr 2021 noch 952 Neugeborene im Kreißsaal der Klinik Tettnang betreut wurden, ist die Geburtenzahl in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Diese Entwicklung wird von den Beteiligten als ein wesentlicher Faktor in der strategischen Neubewertung der geburtshilflichen Strukturen gewertet.

Die zwölf Beleghebammen verweisen in ihrer Stellungnahme auf die schwierigen Rahmenbedingungen und die fehlende Perspektive für eine Fortführung des bisherigen Modells. Trotz konstruktiver Zusammenarbeit mit der Klinikleitung sei eine wirtschaftlich und organisatorisch tragfähige Weiterführung der Beleghebammentätigkeit unter den neuen Bedingungen nicht mehr möglich gewesen.

Für werdende Eltern bedeutet die Schließung eine Umstellung in der regionalen Versorgungslandschaft. Künftig müssen Geburten auf umliegende Kliniken in Wangen, Ravensburg, Lindau oder Friedrichshafen ausweichen. Auch die an die Geburtshilfe angebundene Elternschule am Standort Tettnang wird eingestellt, da sie maßgeblich durch die Hebammen getragen wurde.

Unberührt von der Entscheidung bleiben laut Klinikangaben die gynäkologische Versorgung sowie das zertifizierte Beckenbodenzentrum am Standort. Ebenfalls fortgeführt werden die unfallchirurgische Notaufnahme, die Allgemein- und Unfallchirurgie sowie die HNO-Abteilung.

Die Entwicklung in Tettnang reiht sich in eine bundesweit zu beobachtende Konzentration geburtshilflicher Leistungen in größeren Versorgungszentren ein. Für das Krankenhausmanagement stellt der Fall ein weiteres Beispiel für die strukturellen Spannungen zwischen flächendeckender Versorgung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit insbesondere in der Geburtshilfe dar.

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