Projekt ORCHESTRA entwickelt Echtzeitsteuerung für Klinikprozesse

KI-gestützte Lösung soll Ressourcenplanung und Abläufe im Krankenhaus automatisiert optimieren

Mit dem Innovationsprojekt „ORCHESTRA“ wird eine neue Generation der digitalen Prozesssteuerung im Krankenhaus entwickelt. Wie die Projektpartner mitteilen, zielt das Vorhaben auf eine kontextbasierte Echtzeitlösung ab, die klinische Abläufe und Ressourcen intelligent vernetzt und automatisiert steuert. Das Projekt wird im Rahmen eines Verbunds aus Industrie und Forschung durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie mit rund 1,1 Millionen Euro gefördert.

Im Zentrum des Projekts steht die Entwicklung eines Systems, das klinische Ereignisse nicht nur dokumentiert, sondern aktiv zur Steuerung von Prozessen nutzt. Anders als klassische Krankenhaus-IT, die vor allem administrative und dokumentarische Aufgaben erfüllt, verfolgt ORCHESTRA einen integrativen Ansatz. Sprache, Bewegung und Ortsdaten werden miteinander verknüpft, semantisch analysiert und in Echtzeit in operative Planungsentscheidungen überführt.

Technisch basiert die Lösung auf einer Kombination aus Spracherkennung, Echtzeit-Tracking und künstlicher Intelligenz. Klinische Situationen können so unmittelbar erkannt und interpretiert werden. Beispielsweise wird eine mündliche Übergabeinformation automatisch mit Kontextdaten wie Ort, Zeit und beteiligten Personen angereichert und in ein Planungssystem eingespeist. Dieses kann daraufhin weitere Prozessschritte initiieren, etwa die Organisation von Personal, Räumen oder Geräten.

Ein zentraler Bestandteil ist ein sogenannter Orchestrator, der die Ablauf- und Ressourcenplanung dynamisch anpasst. Das System reagiert auf Veränderungen im klinischen Alltag, erkennt Verzögerungen oder kritische Situationen und optimiert die Abläufe entsprechend. Medizinische Entscheidungen selbst werden dabei nicht automatisiert getroffen. Vielmehr versteht sich die Lösung als Assistenzsystem zur Unterstützung des klinischen Personals.

Die Entwicklung erfolgt durch ein Konsortium aus mehreren Partnern: Ein Unternehmen entwickelt ein tragbares Gerät zur sprachbasierten Interaktion, ein weiterer Partner verantwortet die Echtzeit-Lokalisierung mittels Tracking-Technologie. Wissenschaftliche Einrichtungen bringen ihre Expertise in der semantischen Sprachanalyse sowie in der Modellierung und Optimierung komplexer Prozesse ein. Ziel ist ein interoperables System, das sich in bestehende Krankenhausinformationssysteme integrieren lässt und gängige Standards wie HL7 oder FHIR unterstützt.

Für das Krankenhausmanagement ergibt sich aus dem Projekt ein potenziell neuer Ansatz zur Steuerung komplexer Versorgungsprozesse. Insbesondere in Bereichen mit hoher Dynamik, wie Notaufnahmen oder der stationären Patientensteuerung, könnten Echtzeitinformationen zu einer effizienteren Ressourcennutzung und Entlastung des Personals beitragen. Gleichzeitig adressiert die Entwicklung zentrale Herausforderungen wie Dokumentationsaufwand und mangelnde Transparenz in klinischen Abläufen.

Das Projekt knüpft an bestehende Innovationsnetzwerke im Gesundheitswesen an und soll perspektivisch die Grundlage für digitale Assistenzsysteme schaffen, die klinische Prozesse aktiv unterstützen und optimieren.

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