Digitalradar Krankenhaus: Baden-Württemberg nur auf Platz 13

Kliniken im Südwesten machen Fortschritte bei der Digitalisierung

Die Krankenhäuser in Baden-Württemberg haben ihren digitalen Reifegrad seit der ersten Erhebung des Digitalradars Krankenhaus deutlich verbessert. Mit 52,3 von 100 Punkten liegt der Südwesten im Bundesvergleich dennoch nur auf Platz 13. Besonders bei Telemedizin und Patientenpartizipation bestehen weiterhin Defizite.

Die Digitalisierung der Krankenhäuser in Baden-Württemberg macht Fortschritte. Das zeigt die dritte Erhebung des „Digitalradar Krankenhaus“, die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums durchgeführt wurde. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) erreichten die Kliniken im Südwesten aktuell einen digitalen Reifegrad von 52,3 Punkten auf einer Skala von 0 bis 100.

Damit hat sich der Wert gegenüber der ersten Erhebung im Jahr 2021 deutlich verbessert. Damals erreichten die baden-württembergischen Krankenhäuser durchschnittlich 33,4 Punkte. Bei der zweiten Erhebung im Jahr 2024 lag der Wert bei 41,1 Punkten. Seit Beginn der Messungen ist der digitale Reifegrad damit um rund 57 Prozent gestiegen.

Trotz dieser Entwicklung fällt Baden-Württemberg im Bundesländervergleich zurück. Mit 52,3 Punkten erreicht das Land lediglich den 13. Platz und liegt damit einen Rang schlechter als bei der Erhebung im Jahr 2024. Der bundesweite Durchschnitt liegt aktuell bei 55 Punkten. Spitzenreiter ist Sachsen mit einem Wert von 60,3 Punkten, gefolgt von Berlin mit 59,4 Punkten.

Für die aktuelle Untersuchung wurden nach Angaben der TK mehr als 150 Krankenhäuser in Baden-Württemberg betrachtet. Bundesweit flossen Daten von mehr als 1.500 Kliniken in die Erhebung ein.

Aus Sicht der TK zeigen die Ergebnisse, dass die Digitalisierung in Baden-Württemberg zwar vorankommt, ein flächendeckend digital vernetztes Gesundheitswesen jedoch noch nicht erreicht ist. Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg, fordert deshalb eine zügige Weiterentwicklung der digitalen Infrastruktur. Insbesondere das Projekt MEDI:CUS sollte nach ihrer Einschätzung möglichst schnell in den Regelbetrieb überführt werden.

Mit MEDI:CUS plant das Land Baden-Württemberg den Aufbau einer sicheren und landesweit nutzbaren cloudbasierten Datenplattform für den Gesundheitsbereich. In einer Pilotphase sollen insgesamt 17 Kliniken schrittweise an die Plattform angebunden werden. Ziel ist es, den sicheren Austausch von Gesundheitsdaten und eine bessere digitale Vernetzung der Akteure im Gesundheitswesen zu ermöglichen.

Der Digitalradar Krankenhaus bewertet den digitalen Reifegrad der Kliniken anhand von sieben Dimensionen. Berücksichtigt werden unter anderem die IT-Sicherheit, digitale klinische Prozesse sowie Organisation und Datenmanagement. Grundlage sind sowohl die Erfassung relevanter Daten als auch Selbsteinschätzungen der Krankenhäuser.

Besondere Nachholbedarfe zeigen sich in Baden-Württemberg bei der Telemedizin und der Patientenpartizipation. In diesen Bereichen liegen die Kliniken des Landes laut Erhebung besonders deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Damit wird deutlich, dass die Digitalisierung nicht allein auf technische Infrastruktur und interne Krankenhausprozesse beschränkt werden kann. Auch die digitale Einbindung von Patientinnen und Patienten sowie die Nutzung telemedizinischer Angebote spielen eine zunehmend wichtige Rolle.

Der Digitalradar Krankenhaus wurde eingeführt, um die Entwicklung der Digitalisierung in deutschen Kliniken zu erfassen und die Wirkung der Fördermittel aus dem Krankenhauszukunftsfonds zu untersuchen. Über den Fonds wurden bundesweit rund 4,3 Milliarden Euro für Digitalisierungsprojekte in Krankenhäusern bereitgestellt. Davon entfielen 1,3 Milliarden Euro auf die Bundesländer. Baden-Württemberg beteiligte sich mit 167 Millionen Euro.

Die aktuelle Erhebung zeigt damit ein gemischtes Bild: Die baden-württembergischen Krankenhäuser haben ihre digitale Reife seit 2021 deutlich gesteigert, bleiben im bundesweiten Vergleich jedoch hinter vielen anderen Ländern zurück. Vor allem bei Telemedizin und Patientenpartizipation besteht weiterer Handlungsbedarf, um die digitale Vernetzung der Gesundheitsversorgung im Südwesten voranzubringen.

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