Wetterauer Klinikgeschäftsführer warnen vor Existenzgefährdung durch GKV-Spargesetz
Krankenhausmanager sehen milliardenschwere Belastungen für Kliniken und fordern Nachverhandlungen mit der Bundesregierung
Die Geschäftsführer der Gesundheitszentrum Wetterau gGmbH und der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim haben die geplanten Einsparungen im Rahmen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes scharf kritisiert. Dr. Dirk M. Fellermann und Matthias Müller warnen vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen für Krankenhäuser und sehen die stationäre Versorgung in Deutschland zunehmend unter Druck.
Nach Auffassung der beiden Klinikmanager gefährden die vorgesehenen Maßnahmen die wirtschaftliche Stabilität zahlreicher Krankenhäuser. Grundlage ihrer Kritik ist eine Analyse der Autoren des unabhängigen Krankenhaus Rating Reports, die die Auswirkungen des geplanten Gesetzes auf die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser untersucht hat. Demnach könnte sich die wirtschaftliche Situation der Kliniken bereits ab 2027 deutlich verschlechtern. Für das Jahr 2030 prognostiziert die Untersuchung nach Angaben der Geschäftsführer, dass nur noch 19 Prozent der Krankenhäuser positive Jahresergebnisse erzielen könnten. Gleichzeitig werde nahezu die Hälfte der Krankenhausstandorte als bestandsgefährdet eingestuft. Die durchschnittliche Ergebnissituation der Branche könnte demnach auf ein Minus von sechs Prozent absinken.
Fellermann und Müller kritisieren insbesondere die aus ihrer Sicht zugrunde liegende Systematik der Reform. Krankenhäuser müssten künftig dieselben Leistungen mit geringeren finanziellen Mitteln erbringen. Gleichzeitig würden durch gesetzliche Vorgaben zusätzliche Anforderungen an Personal und Versorgungsqualität gestellt. Diese Entwicklung könne nicht dauerhaft wirtschaftlich kompensiert werden.
Besonders deutlich wenden sich die Geschäftsführer gegen den Vorwurf, Krankenhäuser seien die wesentlichen Kostentreiber der gesetzlichen Krankenversicherung. Nach ihrer Darstellung seien die Ausgabensteigerungen im stationären Bereich in den vergangenen Jahren unterdurchschnittlich ausgefallen. Zudem lägen die stationären Fallkosten deutscher Krankenhäuser im internationalen Vergleich weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.
Nach Angaben der beiden Krankenhausmanager sollen die Kliniken im Jahr 2027 Einsparungen von rund 5,1 Milliarden Euro tragen. Hinzu komme das Auslaufen bestehender Unterstützungsinstrumente wie des Rechnungszuschlags, der zur Abfederung der wirtschaftlichen Belastungen eingeführt worden war. Insgesamt könnten die Krankenhäuser dadurch nach ihrer Berechnung mit Einnahmeverlusten von mehr als neun Milliarden Euro belastet werden.
Für freigemeinnützige, kommunale und kirchliche Krankenhausträger entstünden dadurch erhebliche Risiken. Die Geschäftsführer warnen vor einer weiteren Verschärfung der wirtschaftlichen Lage und möglichen Auswirkungen auf die Versorgungsstrukturen.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz fordern Fellermann und Müller die Bundesregierung zu Gesprächen mit den Krankenhausträgern auf. Ziel müsse es sein, Einsparpotenziale gemeinsam zu identifizieren, ohne die wirtschaftliche Existenz der Krankenhäuser und die Patientenversorgung zu gefährden. Die Stellungnahme reiht sich in eine wachsende Zahl von Protesten aus dem Krankenhaussektor ein. In den vergangenen Tagen hatten bereits mehrere Krankenhausgesellschaften, Klinikverbünde und Berufsverbände vor den finanziellen Folgen der geplanten Reformmaßnahmen gewarnt und Nachbesserungen gefordert.




