Wegfall des Rechnungszuschlags: Kliniken planen Personalabbau
DKI-Blitzumfrage zeigt erhebliche wirtschaftliche Belastungen – 76 Prozent planen Einstellungsstopps, 65 Prozent Investitionskürzungen
Der zum 31. Oktober 2026 auslaufende Rechnungszuschlag von 3,25 Prozent verschärft nach Einschätzung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser erheblich. Eine aktuelle Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) unter 267 Krankenhäusern zeigt, dass mehr als die Hälfte der befragten Einrichtungen mit Personalabbau reagiert. Besonders betroffen sind Krankenhäuser in dünn besiedelten ländlichen Regionen.
Der bisherige Rechnungszuschlag hatte ein jährliches Volumen von rund vier Milliarden Euro und sollte zuvor nicht refinanzierte Kostensteigerungen ausgleichen. Ab dem 1. Januar 2027 ist als teilweiser Ersatz ein pauschaler Zuschlag von 27,30 Euro je voll- oder teilstationär aufgenommenem Patienten vorgesehen. Universitätskliniken sollen 50 Euro erhalten. Nach Berechnungen des DKI entspricht dies einem Finanzierungsvolumen von rund 450 Millionen Euro für die übrigen Krankenhäuser und weiteren 100 Millionen Euro für Universitätskliniken.
Mehr als die Hälfte der Kliniken plant Personalabbau
Die zwischen dem 22. und 27. Oktober durchgeführte DKI-Befragung verdeutlicht die erwarteten Konsequenzen der Finanzierungslücke. 76 Prozent der teilnehmenden Krankenhäuser rechnen mit sehr starken wirtschaftlichen Belastungen, weitere 23 Prozent mit starken Auswirkungen.
Um die fehlenden Einnahmen auszugleichen, planen 76 Prozent einen Einstellungsstopp beziehungsweise die Nichtbesetzung freier Stellen. 65 Prozent wollen Investitionen verschieben oder streichen, während 52 Prozent Personalabbau erwarten. Darüber hinaus sehen 31 Prozent Einschränkungen oder Streichungen von Leistungsangeboten vor.
70 Prozent der befragten Einrichtungen geben an, die Reduzierung des Zuschlags nicht aus eigener Kraft kompensieren zu können. Weitere 26 Prozent rechnen lediglich mit einem teilweisen Ausgleich.
Ländliche Krankenhäuser besonders betroffen
Besonders angespannt ist die Situation nach den Umfrageergebnissen in dünn besiedelten ländlichen Kreisen. Dort erwarten 85 Prozent der befragten Krankenhäuser sehr starke wirtschaftliche Auswirkungen. 93 Prozent sehen keine Möglichkeit, die fehlenden Einnahmen selbstständig auszugleichen.
Rund ein Viertel der befragten Krankenhäuser geht zudem davon aus, dass der Wegfall des bisherigen Rechnungszuschlags das Risiko einer wirtschaftlich bedingten Schließung oder Insolvenz innerhalb der kommenden sechs Monate erhöht.
DKG fordert dauerhafte Finanzierung und Bürokratieabbau
DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß warnt vor einer weiteren Verschärfung bestehender Klinikdefizite. Die neuen pauschalen Zuschläge könnten die bisherigen Einnahmen nicht annähernd ersetzen. Zusammen mit den geplanten Einsparungen durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz entstünden den Krankenhäusern nach Berechnungen des Verbands im Jahr 2027 finanzielle Belastungen von nahezu fünf Milliarden Euro.
Die DKG fordert deshalb eine nachhaltige Finanzierung der stationären Versorgung und eine konsequente Reduzierung bürokratischer Anforderungen. Insbesondere Dokumentationspflichten, Prüfverfahren und Mehrfachmeldungen müssten abgebaut werden, um Personal und finanzielle Ressourcen zu entlasten.







