Offener Brief der DGKJ: Kinder dürfen in der Krankenhausreform nicht übersehen werden
Streichung spezialisierter Leistungsgruppen gefährde die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen
Mit einem offenen Brief warnt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) eindringlich vor gefährlichen Lücken in der geplanten Krankenhausreform. Besonders kritisch sehen die Fachvertreter, dass mit der Streichung der Leistungsgruppen „Spezielle Kinder- und Jugendmedizin“ und „Spezielle Kinder- und Jugendchirurgie“ zwei zentrale Bereiche der Pädiatrie aus der Reformlogik herausfallen.
Leistungsgruppen sind das zentrale Planungsinstrument der neuen Krankenhausstruktur. Ihr Wegfall bedeutet, dass spezialisierte kinder- und jugendmedizinische Behandlungen künftig nicht mehr differenziert abgebildet und somit auch nicht gesondert vorhaltefinanziert werden können. Stattdessen würden diese in der allgemeinen Kinder- und Jugendmedizin aufgehen oder – im schlimmsten Fall – in Fachabteilungen der Erwachsenenmedizin abgewickelt.
Die DGKJ betont: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.“ Eine adäquate Versorgung erfordere spezifisches Wissen, altersgerechte Strukturen und multiprofessionelle Teams. Kinderkardiologen, Kindergastroenterologen oder -pneumologen seien kein Luxus, sondern notwendig für die medizinische Versorgung von Millionen Minderjährigen.
Die Gesellschaft schlägt vor, die Leistungsgruppen kindermedizinischer Spezialisierungen an der (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer zu orientieren. Standorte mit entsprechender Weiterbildungsbefugnis könnten so ohne zusätzlichen bürokratischen Aufwand die entsprechende LG-Zuordnung erhalten. Sollte dieser Weg nicht verfolgt werden, müsse es zumindest eine verbindliche Altersgrenze geben, die sicherstellt, dass Kinder und Jugendliche nicht in der Erwachsenenmedizin „mitversorgt“ werden.
Auch die Politik zeigt erste Reaktionen: Beim Besuch der Kinderklinik St. Louise in Paderborn äußerte sich CDU-Generalsekretär Dr. Carsten Linnemann kritisch zur aktuellen Reformumsetzung. Er kündigte an, dass im Herbst gezielte Nachbesserungen angestrebt werden, um Fehlentwicklungen zu vermeiden.
Die Botschaft der DGKJ ist eindeutig: Kinder und Jugendliche dürfen in der Krankenhausreform nicht vergessen werden. Ihre Versorgung ist kein Randthema – sie gehört ins Zentrum gesundheitspolitischer Verantwortung.




