Hybrid-DRG als Zukunftsmodell: Ambulantes Operieren gewinnt an Bedeutung

Vogtei-Praxisklinik Geilenkirchen zeigt Potenziale für Ambulantisierung und Entlastung der Kliniken

Die Vogtei-Praxisklinik in Geilenkirchen gilt als Beispiel für eine leistungsfähige ambulante Versorgung und wird zunehmend als Blaupause für das Hybrid-DRG-System diskutiert. Wie aus einem aktuellen Bericht der Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein hervorgeht, zeigt das OP-Zentrum, wie ambulante Eingriffe wohnortnah, effizient und auf Klinikniveau erbracht werden können – und welches Potenzial die Hybrid-DRG für die weitere Ambulantisierung bietet.

Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1994 hat die Praxis nach eigenen Angaben rund 84.000 Patientinnen und Patienten behandelt, bei einer drei- bis vierfach höheren Fallzahl. Pro Jahr werden etwa 2.500 Operationen unter Voll- oder Lokalanästhesie durchgeführt. Das Spektrum reicht von Hernien und Handoperationen bis zu proktologischen Eingriffen und Akutfällen. Die Einrichtung verfügt über zwei OP-Säle auf rund 400 Quadratmetern und arbeitet mit einem eingespielten Team aus 14 Mitarbeitenden.

Ambulant auf Klinikniveau – mit kurzen Verweildauern

Nach Darstellung der Praxis ermöglichen standardisierte Abläufe und moderne Technik eine Versorgung, die mit stationären Standards vergleichbar ist, bei gleichzeitig deutlich kürzeren Aufenthaltszeiten. Patientinnen und Patienten können häufig wenige Stunden nach dem Eingriff nach Hause zurückkehren. Komplikationen seien selten; weniger als einmal pro Jahr müsse ein Patient aus dem Aufwachraum in ein Krankenhaus verlegt werden.

Gerade für ältere Menschen könne das ambulante Setting Vorteile haben. Nach Einschätzung von Dr. med. Manfred Weisweiler, Mitgründer der Praxis, sei das Risiko psychischer Belastungen nach stationären Aufenthalten höher als bei ambulanten Eingriffen. Zudem spiele das Infektionsrisiko eine Rolle, da typische Krankenhauskeime in der Praxis kaum vorkämen.

Kooperationen als strukturelles Element

Ein zentrales Element des Konzepts ist die kooperative Nutzung von OP-Kapazitäten. Augenärztinnen und Augenärzte ohne eigenen OP nutzen bereits regelmäßig freie Kapazitäten der Praxis. Dieses Modell könne auch auf weitere Fachgebiete ausgeweitet werden, etwa auf die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Ziel sei es, ambulante Eingriffe zu ermöglichen, ohne dass jede Praxis eigene OP-Strukturen vorhalten müsse.

Für das Management ambulanter Einrichtungen bedeutet dieses Modell eine bessere Auslastung vorhandener Ressourcen und zugleich neue Anreize für Niederlassungen, insbesondere im ländlichen Raum.

Hybrid-DRG als Treiber der Ambulantisierung

Als entscheidenden Faktor für die wirtschaftliche Tragfähigkeit sieht Weisweiler die Einführung der Hybrid-DRG. „Mit der Umstellung hat sich die Situation für uns stark verbessert. Ambulantes Operieren wird dadurch für Niedergelassene deutlich attraktiver“, wird er zitiert. Nun sei es Aufgabe der Politik, den Leistungskatalog auszuweiten, insbesondere um häufige Eingriffe wie Handoperationen oder Arthroskopien.

Vor dem Hintergrund der Krankenhausreform und des politisch gewünschten Ausbaus ambulanter Leistungen verdeutlicht das Beispiel Geilenkirchen, welche Entlastung für Kliniken möglich ist. Ambulante OP-Zentren könnten nicht nur stationäre Kapazitäten reduzieren, sondern perspektivisch auch Notaufnahmen entlasten, etwa durch eine stärkere Einbindung in die Patientensteuerung.

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