Heilmittel-Ausgaben steigen stark – Qualität bleibt schwer messbar

WIdO-Report zeigt Milliardenkosten und wachsende Bedeutung der Blankoverordnung

Der neue Heilmittel-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) weist auf deutlich steigende Ausgaben im Bereich der Heilmitteltherapien in der gesetzlichen Krankenversicherung hin, während belastbare Daten zur Versorgungsqualität weiterhin nur eingeschränkt verfügbar sind. Besonders die seit 2024 eingeführte Blankoverordnung in der Ergo- und Physiotherapie steht im Fokus, da sie mit einem spürbaren Kostenanstieg verbunden ist, deren Nutzen für Patientinnen und Patienten jedoch bislang nur begrenzt bewertet werden kann.

Nach Angaben des Reports beliefen sich die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Heilmittel im Jahr 2024 auf rund 13,3 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2015 entspricht dies einer Verdopplung der Kosten, damals lagen die Ausgaben noch bei 6,1 Milliarden Euro. Für Ende 2025 werden bereits 14,7 Milliarden Euro ausgewiesen, was einem weiteren Anstieg von 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Auch für das erste Quartal 2026 zeigt sich laut aktuellen Auswertungen der AOK eine Fortsetzung dieser Entwicklung mit einer Steigerungsrate von 8,7 Prozent. Der Heilmittelbereich zählt damit zu den Leistungssegmenten mit der dynamischsten Kostenentwicklung innerhalb der GKV. Als wesentliche Treiber werden unter anderem die bundesweite Angleichung der Vergütungen im Jahr 2019 sowie die Entkopplung der Vergütung von der Grundlohnsummenentwicklung in den Folgejahren genannt. Dadurch habe sich das Preisniveau im Heilmittelbereich strukturell erhöht.

Der Report zeigt zudem eine deutliche Konzentration innerhalb der Heilmittelversorgung. Rund 69,7 Prozent des Umsatzes entfallen auf physiotherapeutische Leistungen, während diese zugleich 82,4 Prozent aller Verordnungen ausmachen. Damit stellt die Physiotherapie den mit Abstand größten Teilbereich im Heilmittelmarkt dar. Besonders relevant ist der Bereich für ältere Patientengruppen, während bei Kindern und Jugendlichen vor allem Sprach-, Stimm- und Ergotherapie eine größere Rolle spielen. Zudem zeigt der Report einen deutlichen Anstieg langfristiger und besonders intensiver Versorgungsformen, die inzwischen einen erheblichen Anteil an den Gesamtausgaben ausmachen.

Neben der Kostenentwicklung thematisiert der Heilmittel-Report vor allem die unzureichende Datenlage zur Versorgungsqualität. Insgesamt werden in 23 Kapiteln Ansätze zur besseren Messung und Steuerung der Qualität im Heilmittelbereich dargestellt. Ein Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung der Therapeutinnen und Therapeuten. Im europäischen Vergleich zeigt sich, dass in vielen Ländern ein Bachelor- oder Masterabschluss Voraussetzung ist, während in Deutschland weiterhin eine fachschulische Ausbildung dominiert. Dies wird im Report als möglicher Ansatzpunkt für eine strukturelle Weiterentwicklung der Profession diskutiert.

Zudem wird die stärkere Nutzung von Routinedaten der Krankenkassen als Instrument zur Qualitätsmessung hervorgehoben. Erste Projekte zeigen, dass beispielsweise bei Rückenschmerzpatienten leitliniengerechte Verordnungen bislang nur in etwa der Hälfte der Fälle erfolgen. Solche Auswertungen könnten künftig zur gezielten Qualitätsverbesserung beitragen.

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