Calliora erhält 6 Mio. Dollar für KI im Medizincontrolling
Münchner HealthTech will Dokumentations- und Abrechnungslücken vor Rechnungsstellung erkennen
Das Münchner HealthTech-Startup Calliora hat eine Pre-Seed-Finanzierung über 6 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Die Runde wird von Bertelsmann Healthcare Investments und Redalpine (Redalpine – Portfolio: Calliora)) angeführt. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine KI-Plattform für wirtschaftliche Krankenhausprozesse weiterentwickeln und das Team ausbauen. Wie Startbase berichtet, beteiligen sich zusätzlich mehrere Business Angels aus Krankenhausmanagement und KI.
Calliora setzt auf bestehende Krankenhaus-IT auf und verbindet nach eigener Darstellung klinische Dokumentation, Kodierung, Fallprüfung, MD-Management und Controlling in einem gemeinsamen Arbeitskontext. Ziel ist es, fehlende Dokumentation, nicht ausreichend belegte Kodierungen oder offene MD-Risiken zu erkennen, bevor ein Fall endgültig abgerechnet wird. Die Freigabe bleibt dabei beim Fachpersonal. (1)
Fokus auf Erlössicherung vor der Schlussrechnung
Die Plattform adressiert einen Bereich, der im Krankenhaus häufig erst spät auffällt: Fehler und Lücken entstehen vielfach lange vor der eigentlichen Rechnung, etwa bei Dokumentation, Kodierung oder der Übergabe zwischen unterschiedlichen Systemen. Calliora will diese Prozesse fallbezogen zusammenführen und den nächsten notwendigen Arbeitsschritt automatisch anstoßen. Das Unternehmen beschreibt sein Produkt entsprechend als „AI operating layer for hospital economics“.
Zum Funktionsumfang gehören unter anderem Prüfungen gegen Deutsche Kodierrichtlinien, hausinterne Regelwerke und typische MD-Prüfmuster. Zusätzlich bietet Calliora einen InEK-zertifizierten aG-DRG-Grouper sowie Analysen zu Hybrid-DRGs und Leistungsgruppen an.
Einsatz bereits in mehreren Bundesländern
Nach Angaben des Unternehmens wird die Plattform bereits in einer zweistelligen Zahl von Krankenhäusern in fünf Bundesländern eingesetzt. Munich Startup berichtet zudem, Calliora nenne eine Reduktion des Arbeitsaufwands je Fall um mehr als die Hälfte und eine Schließungsquote von über 90 Prozent bei erkannten Lücken vor Rechnungsstellung. Diese Werte stammen allerdings vom Unternehmen selbst und sind bislang nicht unabhängig bestätigt. (2)
Die Gründer Dr. Frederik Träuble und Jonas Wildberger kommen aus dem KI-Umfeld. Beide promovierten am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme; Träuble studierte in Cambridge, Wildberger in Oxford. Als medizinischer Experte wird zudem Dr. Andreas Stockmanns, Geschäftsführer von Kaysers Consilium, genannt.
Neben Bertelsmann Healthcare Investments und Redalpine gehören laut Startbase auch Dr. Ulrich Wandschneider, früher unter anderem CEO von Asklepios und MediClin, sowie Investoren aus dem KI-Umfeld zur Runde. Redalpine führt Calliora inzwischen als aktives Portfolio-Unternehmen im Bereich Digital Health & MedTech.
Für Medizincontrolling und Erlösmanagement ist der Ansatz deshalb interessant, weil Calliora nicht nur einzelne Kodier- oder Prüfwerkzeuge anbietet, sondern den wirtschaftlichen Fallprozess von der Aufnahme bis zur Abrechnung zusammenführen will. Ob sich die angekündigten Effizienzgewinne im breiteren Krankenhausbetrieb bestätigen, dürfte für die weitere Entwicklung entscheidend sein.




