Curacon-Branchenreport 2026: Regionale Strategien statt zentraler Standardlösungen für die Klinikreform
Experten fordern konsequente Nutzung der Länderplanung – Kosten-Erlös-Schere klafft um 44 Prozentpunkte auseinander
Die deutsche Krankenhauslandschaft steht im vierten Jahr der Reform unter einem beispiellosen Anpassungsdruck. Wie der aktuelle Curacon-Branchenreport Krankenhaus (Stand April 2026) aufzeigt, lässt sich die tiefgreifende Transformation der Versorgungsstrukturen nicht durch bundesweite Standardlösungen bewältigen. Die Expertinnen und Experten der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft betonen, dass die Bundesländer ihre Planungshoheit aktiv nutzen müssen, um den heterogenen Ausgangslagen in den Regionen gerecht zu werden. Während Berlin den gesetzlichen Rahmen setzt, entscheide sich die Tragfähigkeit der Strukturen vor Ort.
Der Report verdeutlicht die zunehmende Fragmentierung des Marktes. Seit 2010 ist die Zahl der Kliniken bundesweit um elf Prozent auf 1.841 Häuser gesunken, wobei die Bettenkapazität um sechs Prozent zurückging. Auffällig ist dabei die Konzentration auf Großstrukturen: Häuser mit mehr als 500 Betten machen zwar nur 14 Prozent der Standorte aus, bündeln jedoch inzwischen 44 Prozent der gesamten Bettenkapazität. Private Träger konnten ihren Anteil an der Anzahl der Häuser auf 40 Prozent ausbauen, während öffentliche Träger mit 47 Prozent der Betten weiterhin das Rückgrat der stationären Versorgung bilden.
Ein zentraler Belastungsfaktor bleibt die dramatische wirtschaftliche Schieflage. Laut Curacon sind die Gesamtkosten seit 2010 um rund 87 Prozent gestiegen, während die Erlöse über die Basisfallwerte im gleichen Zeitraum lediglich um 43 Prozent zulegten. Diese Differenz von 44 Prozentpunkten erklärt den massiven wirtschaftlichen Druck, der bereits jetzt zu einem „kalten Strukturwandel“ durch Insolvenzen führt. Erschwert wird die Lage durch eine kumulierte Investitionslücke von rund 31 Milliarden Euro, da die Länder ihren Finanzierungsverpflichtungen im letzten Jahrzehnt nicht einmal zur Hälfte nachgekommen sind.
Vor dem Hintergrund von Leistungsgruppen, Vorhaltefinanzierung und Hybrid-DRGs fordert der Branchenreport eine strategische Transformationsplanung der Länder. Fördermittel aus dem Krankenhaustransformationsfonds sollten dabei primär für strukturelle Veränderungen und nicht für kurzfristige Defizitausgleiche genutzt werden. Für die Kliniken selbst ist laut Report das aktive Vorantreiben der Ambulantisierung überlebenswichtig: Insbesondere Schwerpunkt- und Maximalversorger konnten hier zuletzt deutliche Zuwächse verzeichnen. Krankenhäuser, die ihr Geschäftsmodell nicht zeitnah anpassen, riskieren laut Curacon den dauerhaften Verlust von Marktanteilen und Erlösen.
Der Curacon-Branchenreport Krankenhaus erscheint halbjährlich und richtet sich an Geschäftsführungen, Vorstände, Fach- und Bereichsleitungen sowie Finanz- und Auf-sichtsgremien in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft. Er bietet aktuelle und passgenaue Informationen zum Branchenumfeld: Daten aus dem umfangreichen Curacon-Datenpool, exklusiven Sonderveröffentlichungen und aggregierten Marktdaten – eingeordnet durch Curacon-Expert:innen. Neben einer kompakten Darstellung zentraler Kennzahlen liefert der Branchenreport Einschätzungen zu Reformwirkungen, wirtschaftlichen Trends und strategischen Handlungsfeldern, die speziell auf die Anforderungen von Krankenhausträgern zugeschnitten sind.





