BBT-Gruppe warnt vor Risiken für die stationäre Versorgung
Klinikmanager sehen durch parallele Reformen und Sparvorgaben des GKV-Stabilisierungsgesetzes die Versorgung in Rheinland-Pfalz unter Druck

Christian Weiskopf und Jérôme Korn-Fourcade, regionale Geschäftsführer der BBT-Gruppe in Rheinland-Pfalz, ordnen ein, wie Finanzstabilität und regionale Versorgung zusammen gedacht werden müssen – und wo Potenziale im deutschen Gesundheitswesen liegen.
Foto: BBT-Gruppe
Die regionale Geschäftsführung der BBT-Gruppe warnt vor erheblichen Auswirkungen des geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes auf die stationäre Versorgung. In einem Interview betonen Christian Weiskopf und Jérôme Korn-Fourcade, dass die gleichzeitige Umsetzung der Krankenhausreform und neuer Sparmaßnahmen die Versorgungssicherheit insbesondere in ländlichen Regionen gefährden könne.
Die Aussagen erfolgen vor dem Hintergrund der bevorstehenden parlamentarischen Beratung des Gesetzes, das auf eine kurzfristige Stabilisierung der GKV-Finanzen abzielt. Parallel befindet sich die Krankenhausreform mit dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) und dem Krankenhausanpassungsgesetz (KHAG) weiterhin in der Umsetzungsphase.
Gleichzeitigkeit von Reform und Sparpolitik belastet Kliniken
Nach Einschätzung der BBT-Geschäftsführung entsteht durch die parallele Umsetzung verschiedener Reform- und Sparinstrumente eine hohe Komplexität für Krankenhäuser. Während die Bundesländer aktuell ihre Krankenhausplanung an die neuen Leistungsgruppen anpassen, kämen mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zusätzliche finanzielle Unsicherheiten hinzu.
Die Kliniken müssten damit gleichzeitig strukturelle Veränderungen umsetzen und sich auf potenzielle Einnahmebegrenzungen ab 2027 einstellen. Dies erhöhe den administrativen Aufwand erheblich und erschwere eine stabile Versorgungsplanung.
Versorgungssicherheit in Flächenländern unter Druck
Christian Weiskopf, der auch im Verband des Klinikmanagements Deutschlands aktiv ist, beschreibt Versorgungssicherheit als dauerhaften und wohnortnahen Zugang zu medizinischer Versorgung. Besonders in Flächenländern wie Rheinland-Pfalz zeige sich bereits ein „ungeplantes Krankenhaussterben“, das insbesondere ländliche Regionen im Hunsrück, der Eifel und im Westerwald betreffe.
Nach seiner Einschätzung könnte das Gesetz diesen Strukturwandel weiter beschleunigen und damit bestehende Versorgungsengpässe verschärfen. Einmal geschlossene Krankenhausstandorte würden in der Regel nicht wieder eröffnet, was langfristige Auswirkungen auf die regionale Versorgung habe.
Finanzdruck und Strukturwandel im Krankenhaussektor
Kritisch sehen die Vertreter der BBT-Gruppe die Auswirkungen auf freigemeinnützige und private Träger. Diese hätten im Gegensatz zu kommunalen Häusern keine Möglichkeit, Defizite über öffentliche Haushalte auszugleichen. Dadurch entstünden Wettbewerbsverzerrungen, die zusätzliche wirtschaftliche Risiken für einzelne Standorte mit sich bringen könnten.
Jérôme Korn-Fourcade weist zudem darauf hin, dass steigender finanzieller Druck dazu führen könne, dass Krankenhäuser ihr Leistungsangebot reduzieren oder einzelne Fachbereiche aufgeben müssten. Dies würde insbesondere die Versorgung in ländlichen Regionen weiter belasten und den Druck auf verbleibende Notaufnahmen erhöhen.
Ambulantisierung und sektorenübergreifende Versorgung als Schlüsselthema
Gleichzeitig sehen die Klinikmanager Reformpotenziale in einer stärkeren Ambulantisierung und besseren Verzahnung der Versorgungssektoren. Krankenhäuser könnten in Regionen mit Facharztmangel eine stabilisierende Rolle übernehmen. Voraussetzung hierfür sei jedoch eine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen, primär bei der ambulanten Leistungserbringung durch Krankenhausärzte. Derzeit seien diese Möglichkeiten stark eingeschränkt, was aus Sicht der BBT-Gruppe bestehende Versorgungslücken verstärke.
Warnung vor Strukturverlust und Bürokratieaufbau
Neben den finanziellen Aspekten kritisiert die BBT-Geschäftsführung auch den zunehmenden bürokratischen Aufwand durch neue Prüf- und Abrechnungsregelungen. Diese binden nach ihrer Einschätzung Ressourcen, die in der direkten Patientenversorgung fehlen.
Zudem warnen die Klinikvertreter vor einem fortschreitenden Strukturverlust im stationären Bereich, sollte der wirtschaftliche Druck weiter steigen. Dies betreffe sowohl kommunale als auch freigemeinnützige Träger und könne langfristig zu weiteren Marktaustritten führen.




