Hospital@Home: Studie zeigt großes Potenzial für eine wohnortnahe Krankenhausversorgung
Evidenzanalyse der Rhön Stiftung bestätigt hohe Wirksamkeit und Effizienz – Umsetzung in Deutschland noch durch strukturelle Hürden begrenzt
Das Versorgungskonzept Hospital at Home rückt zunehmend in den Fokus gesundheitspolitischer Diskussionen. Eine von der Rhön Stiftung in Auftrag gegebene und von der inav GmbH erstellte Überblicksstudie zeigt, dass die Krankenhausbehandlung im häuslichen Umfeld international bereits gut etabliert ist und eine hohe Evidenzbasis besitzt. Für Deutschland identifizieren die Studienautorinnen und -autoren erhebliche Potenziale – machen jedoch klar, dass die strukturellen Voraussetzungen bislang unzureichend sind.
Der Grundgedanke des Modells besteht darin, Patientinnen und Patienten mit geeigneten Krankheitsbildern auf Krankenhausniveau im eigenen Zuhause zu versorgen – entweder als Alternative zum stationären Aufenthalt oder als frühzeitige Entlassungslösung. Die systematische Auswertung von mehr als 100 wissenschaftlichen Publikationen sowie internationalen Best-Practice-Beispielen zeigt laut Studie deutliche Vorteile: höhere Patientenzufriedenheit, kürzere Aufenthaltszeiten und niedrigere Kosten.
„Die Evidenz ist überwältigend“, betont Prof. Dr. Volker Amelung von der inav GmbH. Er ist „absolut überzeugt, dass das Konzept auch in Deutschland zu erheblichen Effizienzgewinnen führen kann“. Bei den klinischen Ergebnissen und Wiederaufnahmeraten schneidet Hospital at Home mindestens gleich gut ab wie die konventionelle Krankenhausversorgung; bei Kosten und Zufriedenheit sogar besser.
Auch Co-Autorin Anna-Lena Brecher hebt hervor, dass trotz der großen Variabilität in der praktischen Umsetzung klare Erfolgsfaktoren erkennbar sind: interdisziplinäre Versorgungsteams, eine zentrale Rolle spezialisierter Pflegekräfte, regelmäßige ärztliche Hausbesuche oder telemedizinische Visiten sowie eine ausgebaute Nutzung diagnostischer und digitaler Technologien. Häufige Indikationen der Programme sind Atemwegs-, Infektions- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vorreiter seien insbesondere die USA und Spanien.
Besonders eindrucksvolle Ergebnisse liefert das Beispiel Huntsman at Home (University of Utah). Das Programm für onkologische Patientinnen und Patienten konnte Krankenhausaufnahmen um 55 % und Notaufnahmen um 45 % reduzieren sowie die stationäre Aufenthaltsdauer um einen Tag verkürzen. Die Behandlungskosten sanken laut Studie um 47 %. Auch das „Sheba Beyond“ des Sheba Medical Center (Israel) – das weltweit erste vollständig virtuelle Krankenhaus – erreichte Einsparungen von rund 40 %.
Prof. Boris Augurzky, Vorstandsvorsitzender der Rhön Stiftung, ordnet die Relevanz des Themas ein: „Der zunehmende Versorgungsbedarf durch den demografischen Wandel, der Fachkräftemangel, aber auch der nötige Sparkurs im Gesundheitssystem erfordert es, […] neue Wege zu beschreiten. Hospital at Home präsentiert sich als sehr erfolgversprechender Baustein.“
Für Deutschland zeigt die Studie jedoch deutlichen Handlungsbedarf. Es fehlt an einer tragfähigen technologischen Infrastruktur, an sektorenübergreifenden Vergütungssystemen sowie an erweiterten pflegerischen Rollenprofilen, die die spezialisierte Tätigkeit im häuslichen Setting abbilden könnten. Mit Spannung werden die Ergebnisse der Innovationsfondsprojekte VirtualWard und STAY@HOME – TREAT@HOME erwartet, die Hospital-at-Home-Modelle derzeit erstmals in Deutschland testen.






