G-BA-Vorsitzender Josef Hecken tritt ab

Selbstverwaltung verabschiedet langjährigen unparteiischen Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschusses

Prof. Josef Hecken

Gemeinsamer Bundesausschuss verabschiedet Josef Hecken
Foto: Svea Pietschmann/G-BA

Der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Professor Josef Hecken, beendet seine Tätigkeit zum 30. Juni 2026. Das teilten die Trägerorganisationen des G-BA in einer gemeinsamen Pressemitteilung am 18. Juni 2026 mit. Hecken leitete das zentrale Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung seit 2012 und prägte dessen Arbeit über mehr als ein Jahrzehnt maßgeblich.

Mit dem angekündigten Rückzug von Professor Josef Hecken endet eine langjährige Amtszeit an der Spitze des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem zentralen Entscheidungsorgan der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen. Der Jurist war seit Juli 2012 unparteiischer Vorsitzender und leitete zudem den Innovationsausschuss.

In einer gemeinsamen Erklärung würdigten die Trägerorganisationen des G-BA – darunter die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) sowie der GKV-Spitzenverband – die Arbeit Heckens als prägend für die Weiterentwicklung der Selbstverwaltung. Der G-BA habe sich unter seiner Leitung zu einer Institution entwickelt, die fachlich fundiert, strukturiert und zugleich effizient arbeite.

Im Zentrum seines Wirkens stand nach übereinstimmender Darstellung der Organisationen das Leitprinzip einer qualitätsgesicherten und wirtschaftlichen Versorgung der gesetzlich Versicherten. Dieses Prinzip habe Hecken konsequent vertreten und dabei insbesondere den Anspruch einer evidenzbasierten Entscheidungsfindung gestärkt. Auch in konfliktreichen Abstimmungen innerhalb der Selbstverwaltung habe er nach Angaben der Beteiligten eine ausgleichende, aber zugleich klare Rolle eingenommen.

Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, hob hervor, dass der G-BA unter Heckens Führung an fachlicher Stärke und Kommunikationsfähigkeit gewonnen habe. Besonders betont wurde dabei die konsequente Ausrichtung an der Versorgungsqualität und die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen in der Selbstverwaltung zu moderieren.

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung würdigte Heckens Rolle als Verteidiger der Unabhängigkeit des G-BA gegenüber politischen Einflussnahmen. Seine Amtszeit sei von dem Anspruch geprägt gewesen, evidenzbasierte Entscheidungen gegen kurzfristige politische Opportunität abzusichern.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft betonte die Bedeutung des konstruktiven Austauschs zwischen Kliniken und Selbstverwaltung. Auch bei inhaltlichen Differenzen sei der Umgang von gegenseitigem Respekt geprägt gewesen. Gleichzeitig habe Hecken die Patientenorientierung des Systems stets in den Mittelpunkt gestellt.

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung verwies auf die Weiterentwicklung der zahnmedizinischen Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung. Unter Heckens Mitwirkung seien insbesondere präventionsorientierte Versorgungsansätze wie in der Parodontitisbehandlung gestärkt worden.

Mit dem Ausscheiden von Josef Hecken zum 30. Juni 2026 endet eine über zehnjährige Phase an der Spitze des wichtigsten gesundheitspolitischen Beschlussgremiums in Deutschland. Die Nachfolge im Vorsitz des G-BA wird in den kommenden Wochen eine zentrale Frage der gesundheitspolitischen Steuerung darstellen.