DGU will TraumaNetzwerke in nationale Krisenvorsorge integrieren
Kliniken sollen sich auf Katastrophen, Massenanfall Verletzter und Bündnisfall vorbereiten – Fachgesellschaft fordert Finanzierung, Reserven und gemeinsame Übungen
Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) fordert, die bestehenden TraumaNetzwerke verbindlich in die nationale Planung für Katastrophen, Krisen und den Bündnis- und Verteidigungsfall einzubeziehen. Krankenhäuser sollen dafür ihre Aufnahme- und Durchhaltefähigkeit bei einer großen Zahl Schwerverletzter kennen, strategische Reserven vorhalten und die Zusammenarbeit mit Behörden und Bundeswehr regelmäßig trainieren. Über die konkrete Umsetzung beraten zivile und militärische Akteure am 24. September 2026 bei der Deutschen Notfallkonferenz in Aachen.
Grundlage der Forderungen ist das im Juli 2026 an die Politik übergebene Weißbuch „Traumatologische Versorgung in Katastrophe, Krise und Krieg (3K)“. Nach Auffassung der DGU sollen für besondere Gefahrenlagen keine neuen parallelen Versorgungsstrukturen geschaffen werden. Stattdessen sollen die bereits etablierten TraumaNetzwerke für außergewöhnliche Belastungssituationen weiterentwickelt werden.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine große Zahl Verletzter innerhalb kurzer Zeit auf geeignete Krankenhäuser verteilt werden kann. Dafür müsse im Krisenfall bekannt sein, an welchen Standorten chirurgische Kapazitäten, spezialisiertes Personal, Material und weitere Behandlungsmöglichkeiten verfügbar sind.
Kliniken sollen Kapazitäten und Durchhaltefähigkeit kennen
Die DGU sieht dabei nicht allein die Akutversorgung einzelner Schwerverletzter als Herausforderung. Krankenhäuser müssten darauf vorbereitet sein, ihre Versorgung auch bei einer länger anhaltenden hohen Belastung aufrechtzuerhalten.
Gefordert werden unter anderem eine koordinierte Patientensteuerung, verbindliche Ansprechpartner, strategische Materialreserven und interoperable Logistik. Hinzu kommen regelmäßige gemeinsame Übungen von zivilem Gesundheitswesen und Bundeswehr sowie klare gesetzliche Rahmenbedingungen.
Eine zentrale Rolle sieht die Fachgesellschaft bei den Ländern. Auf Ebene der Landesbehörden sollen zivile Krankenhausstrukturen und militärische Planungen zusammengeführt werden.
Personal, Material und Finanzierung im Fokus
Bei der Deutschen Notfallkonferenz sollen deshalb neben den organisatorischen Strukturen auch die praktische Materialbewirtschaftung und die Aus- und Fortbildung für sogenannte 3K-Lagen behandelt werden.
Dazu gehören Fragen nach der Vorhaltung chirurgischer Instrumente und Prothesen ebenso wie nach verfügbaren Personalressourcen, der Rolle von Notaufnahmen, Pflege und Assistenzberufen sowie der Behandlung komplexer Kriegsverletzungen.
Offen ist insbesondere die Finanzierung zusätzlicher Vorhaltestrukturen. Die DGU fordert in ihrem Weißbuch eine gesicherte Finanzierung der notwendigen Maßnahmen zur medizinischen Krisenvorsorge.
Notfallkonferenz am 24. September in Aachen
Die Deutsche Notfallkonferenz findet am 24. September 2026 am Center for Teaching and Training der Uniklinik RWTH Aachen statt. Vertreter aus zivilem Gesundheitswesen, Unfallchirurgie, Bundeswehr und weiteren Bereichen wollen dort unter anderem diskutieren, wie weit die Bundesländer mit ihren Vorbereitungen auf außergewöhnliche Versorgungslagen sind.
Für die DGU sollen die TraumaNetzwerke dabei zur Grundlage einer bundesweit koordinierten Verletztenversorgung werden. Die hierfür erforderlichen Strukturen sollen nicht erst im Krisenfall aufgebaut, sondern bereits im Regelbetrieb vorbereitet und erprobt werden.




