DGU fordert feste Rolle der TraumaNetzwerke in Krisenversorgung
Neues Weißbuch zeigt Fahrplan für Katastrophen, Krisen und Bündnisfall
Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) fordert, die bestehenden TraumaNetzwerke DGU® fest in die nationale Krisen- und Sicherheitsvorsorge einzubinden. Mit dem neuen Weißbuch „Traumatologische Versorgung in Katastrophe, Krise, Krieg (3K)“ legt die Fachgesellschaft Vorschläge vor, wie die Versorgung Schwerverletzter bei Anschlägen, Katastrophen, langanhaltenden Krisen und im Bündnisfall bundesweit koordiniert werden kann.
Nach Auffassung der DGU verfügt Deutschland mit den TraumaNetzwerken bereits über eine leistungsfähige Struktur, die für eine krisenfeste Versorgung weiterentwickelt werden kann. Mehr als 600 zertifizierte Kliniken arbeiten nach Angaben der Fachgesellschaft in über 50 regionalen TraumaNetzwerken zusammen.
Das System wurde ursprünglich zur Verbesserung der Versorgung Schwerverletzter aufgebaut. Aus Sicht der DGU kann es jedoch auch bei außergewöhnlichen Schadenslagen eine zentrale Funktion übernehmen. Entscheidend sei dabei insbesondere die Fähigkeit, Verletzte gezielt auf Kliniken mit geeigneten medizinischen Kompetenzen und verfügbaren Kapazitäten zu verteilen.
Bei einem Massenanfall von Verletzten verhindert eine solche Steuerung, dass einzelne Krankenhäuser überlastet werden, während andere Behandlungskapazitäten frei haben. Nach Auffassung der DGU könnte dieses Prinzip im Krisen- oder Bündnisfall auf eine bundesweite und über längere Zeiträume angelegte Verteilung von Patientinnen und Patienten übertragen werden.
Prof. Dr. Gerrit Matthes, Vorsitzender des Ausschusses TraumaNetzwerk DGU, verweist dabei auf die vorhandene Kenntnis über Kompetenzen und Kapazitäten der beteiligten Kliniken. Diese Informationen könnten im Ernstfall genutzt werden, um Verletzte schnell und gezielt in geeignete Einrichtungen zu lenken.
Vier Forderungen an die Politik
Mit dem neuen Weißbuch formuliert die DGU vier zentrale Maßnahmen für die politische Weiterentwicklung der bestehenden Strukturen. Die TraumaNetzwerke sollen in eine nationale Verteilungsstruktur integriert werden, um auch bei Krisen und im Bündnisfall eine gezielte Patientensteuerung zu ermöglichen.
Darüber hinaus fordert die Fachgesellschaft eine gezielte Qualifizierung und regelmäßige Schulung des medizinischen Personals. Krankenhäuser müssten zudem durch ausreichende Materialreserven, sichere Lieferketten und eine verlässliche Finanzierung widerstandsfähiger gegen Krisen gemacht werden.
Als vierte Maßnahme schlägt die DGU ein Gesundheitssicherstellungsgesetz vor. Dieses soll im Ernstfall klare Zuständigkeiten und die notwendige Rechtssicherheit für die medizinische Versorgung schaffen.
Aus Sicht der Fachgesellschaft sollte dabei auf den Aufbau paralleler Strukturen verzichtet werden. Stattdessen müsse das bereits etablierte TraumaNetzwerk DGU® stärker in die nationale Krisensteuerung eingebunden werden.
Orthoplastische Kompetenzzentren sollen Versorgung ergänzen
Ein weiterer Baustein des Konzepts sind orthoplastische Kompetenzzentren. Seit Juni 2026 sind nach Angaben der DGU die ersten entsprechenden Zentren in Deutschland zertifiziert. Dort arbeiten Fachbereiche der Orthopädie und Unfallchirurgie mit der Plastischen und Rekonstruktiven Chirurgie zusammen.
Die Zentren sollen insbesondere bei komplexen Explosions- und Mehrfachverletzungen eine spezialisierte Versorgung ermöglichen. Langfristig soll nach den Vorstellungen der Fachgesellschaft jedes TraumaNetzwerk DGU® über mindestens ein solches Kompetenzzentrum verfügen.
Das Weißbuch wurde gemeinsam mit dem Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr und weiteren medizinischen Fachgesellschaften erarbeitet. Damit soll die Zusammenarbeit zwischen ziviler und militärischer Gesundheitsversorgung für außergewöhnliche Schadenslagen weiterentwickelt werden.
Für das Klinikmanagement würde eine stärkere Einbindung der TraumaNetzwerke in die nationale Krisenvorsorge zusätzliche Anforderungen an Personal, Infrastruktur und Ressourcenplanung bedeuten. Gleichzeitig könnten bestehende Strukturen effizienter genutzt und Doppelstrukturen vermieden werden.




