WIdO-Studie: Deutliche Qualitätsunterschiede bei Prostata-Operationen

AOK veröffentlicht neue Klinikvergleiche – in schlechten Häusern viermal mehr Komplikationen als in den besten

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat neue Qualitätsdaten zur vollständigen Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie) veröffentlicht – mit deutlichen Unterschieden zwischen den Kliniken. Während im besten Fünftel der Krankenhäuser nur 6,4 Prozent der Patienten Komplikationen erlitten, waren es im schlechtesten Fünftel fast 23 Prozent. Die Ergebnisse, die auf der Analyse von rund 17.600 Fällen aus den Jahren 2021 bis 2023 beruhen, sind seit dem 24. Oktober im AOK-Gesundheitsnavigator abrufbar.

Laut WIdO wurden alle Patientenfälle ein Jahr nach der Operation nachbeobachtet, um auch Spätkomplikationen wie Blutungen, Folge-Operationen oder Sepsis zu erfassen. So mussten 2,9 Prozent der Operierten eine Bluttransfusion erhalten, 6,8 Prozent benötigten ungeplante Folge-OPs, und 5,6 Prozent entwickelten schwere Komplikationen wie Schock oder Nierenversagen.

Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, betonte die Aussagekraft der Daten:

„Unterschiedliche Patienteneigenschaften wie Alter oder Vorerkrankungen werden berücksichtigt, um einen fairen Klinikvergleich zu ermöglichen. Derart valide Informationen zur Behandlungsqualität bietet aktuell weder der Bundes-Klinik-Atlas noch das Deutsche Krankenhausverzeichnis.“

Eine Modellrechnung des WIdO zeigt zudem: Würden alle Operationen in den überdurchschnittlich bewerteten Häusern stattfinden, könnten rund 480 Komplikationen vermieden werden. Reimann forderte daher eine gezielte Steuerung planbarer Eingriffe in qualitätsstarke Kliniken:

„Das würde viel Leid vermeiden und Nachbehandlungskosten senken. Wir schaffen Transparenz, damit Patienten und einweisende Ärzte fundierte Entscheidungen treffen können.“

Ein weiteres Auswahlkriterium sei die Zertifizierung als Prostatakrebszentrum durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG). Diese Information wird ebenfalls im Gesundheitsnavigator angezeigt. Studien wie WiZen (2022) hätten gezeigt, dass Behandlungen in DKG-zertifizierten Zentren mit besseren Überlebenschancen einhergehen.

Die radikale Prostatektomie wird vor allem bei lokal begrenztem Prostatakrebs angewendet. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 34.700 solcher Eingriffe durchgeführt. Nicht ausgewertet werden konnten postoperative Folgen wie Inkontinenz oder Impotenz, da hierfür keine ausreichenden Routinedaten vorliegen.

Neben der Prostatektomie veröffentlichte das WIdO auch Qualitätsdaten zu zwölf weiteren häufigen Behandlungen, darunter Hüft- und Knieoperationen, Gallenblasenentfernungen, Blinddarm-OPs sowie Herzkatheter- und TAVI-Eingriffe.