Hartmannbund warnt vor „Praxis-Schock“ durch Hybrid-DRGs
Ambulantisierung gefährdet ärztliche Weiterbildung – Kliniken beklagen mangelnde Wirtschaftlichkeit bei Standard-Eingriffen
Der Hartmannbund unterstützt zwar grundsätzlich die politische Verlagerung medizinischer Leistungen in den ambulanten Bereich, warnt jedoch vor den aktuellen Umsetzungsbedingungen der Hybrid-DRGs. Wie der Arbeitskreis II „Stationäre Versorgung“ des Verbandes mitteilt, fehlen für viele Eingriffe – etwa Metallentfernungen in der Unfallchirurgie oder elektive chirurgische Maßnahmen – die notwendigen strukturellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen. Laut Dr. Dr. Galina Fischer, Vorsitzende des Arbeitskreises, sind diese Leistungen unter den derzeitigen Rahmenbedingungen in Kliniken kaum wirtschaftlich darstellbar.
Ein zentrales Problem sieht der Hartmannbund in der Organisation: Solange ambulante Eingriffe faktisch im kostenintensiven Zentral-OP des Krankenhauses stattfinden müssen, statt in spezialisierten ambulanten Einheiten, lassen sich Hybrid-DRGs weder organisatorisch noch finanziell sinnvoll abbilden. Dies führe dazu, dass Kliniken versuchen, diese Leistungen langfristig abzugeben, während in vielen Regionen gleichzeitig geeignete ambulante Strukturen außerhalb der Krankenhäuser fehlen.
Besonders alarmierend bewertet der Verband die Auswirkungen auf den ärztlichen Nachwuchs. Da im ambulanten Bereich in der Regel der Facharztstandard gilt, können Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung dort kaum operative Erfahrungen sammeln. „Damit gehen wichtige Ausbildungsinhalte verloren, ohne dass es gleichwertige Alternativen gibt“, warnt Fischer. Der Hartmannbund fordert daher tragfähige Finanzierungsmodelle und den gezielten Aufbau ambulanter Strukturen im Krankenhausumfeld, um eine Entlastung der Stationen ohne Qualitätsverlust in Versorgung und Ausbildung zu ermöglichen.





