DGCH fordert Qualitätsindikatoren für chirurgische Weiterbildung

Positionspapier sieht neue Transparenz bei Ausbildung und Versorgungsqualität in Kliniken vor

Die Qualität chirurgischer Versorgung hängt maßgeblich von der Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte ab. Dennoch wird die tatsächliche Qualität der chirurgischen Weiterbildung in Deutschland bislang kaum systematisch erfasst. Ein neues Positionspapier des Perspektivforums Junge Chirurgie der Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) schlägt nun erstmals konkrete Qualitätsindikatoren vor, mit denen sich Struktur, Ablauf und Ergebnisse der Weiterbildung in chirurgischen Fächern messen lassen sollen. Die Fachgesellschaft stellte das Konzept Anfang März 2026 vor.

Ziel der Initiative ist der Aufbau einer datenbasierten und lernenden Weiterbildungsstruktur, die Transparenz über bestehende Ausbildungsbedingungen schafft und gezielte Verbesserungen ermöglicht. Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren ist die Qualität der Weiterbildung ein zentraler Faktor für die langfristige Sicherung der chirurgischen Versorgungsqualität und der Patientensicherheit in Krankenhäusern.

Die Weiterbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt in der Chirurgie umfasst eine mehrjährige klinische Ausbildung mit einer Vielzahl praktischer und theoretischer Anforderungen. Neben diagnostischen und therapeutischen Kompetenzen müssen angehende Chirurginnen und Chirurgen auch operative Fähigkeiten erwerben. Dabei reicht das Spektrum von grundlegenden chirurgischen Techniken wie Blutstillung und Wundversorgung bis zu komplexen Eingriffen an Organen oder Gefäßstrukturen. Eine wichtige Orientierung bietet dabei der jeweilige Operationskatalog der Fachrichtungen, der festlegt, welche Eingriffe in welcher Anzahl im Rahmen der Weiterbildung durchgeführt werden müssen.

In der Praxis sehen sich viele Kliniken jedoch mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Operative Supervision und strukturierte Weiterbildung benötigen Zeit und personelle Ressourcen – Faktoren, die im stark ausgelasteten Klinikalltag häufig begrenzt sind. Zudem fehlen nach Einschätzung der DGCH vielerorts verbindliche Strukturen wie klar definierte Weiterbildungscurricula, Mentorenmodelle oder regelmäßige Weiterbildungsgespräche. Dadurch hängt die Qualität der Ausbildung häufig stark von einzelnen Vorgesetzten oder lokalen Rahmenbedingungen ab.

Das Positionspapier „Qualitätsindikatoren für die chirurgische Weiterbildung“ schlägt deshalb ein strukturiertes Set an Kennzahlen vor, mit denen Weiterbildung künftig transparenter und vergleichbarer werden könnte. Dazu zählen unter anderem verbindliche Weiterbildungscurricula, definierte Betreuungsverhältnisse zwischen Fachärzten und Weiterzubildenden, dokumentierte Weiterbildungsgespräche sowie die systematische Erfassung von Supervision bei operativen Eingriffen. Auch Erfolgsquoten bei Facharztprüfungen oder die Zufriedenheit der Weiterzubildenden könnten künftig als Indikatoren dienen.

Dr. Sebastian Schaaf, Sprecher des Perspektivforums Junge Chirurgie der DGCH, betont in der Veröffentlichung die Bedeutung eines solchen Systems: Die chirurgische Weiterbildung bilde die Grundlage für die Qualität der Versorgung von morgen, gleichzeitig gebe es bislang nur begrenzte Daten darüber, wie gut Weiterbildung tatsächlich funktioniere.

Neben organisatorischen Verbesserungen sehen die Autorinnen und Autoren auch gesundheitspolitische Bezüge. Das Krankenhausfinanzierungsgesetz sieht bereits vor, dass Qualität stärker in die Finanzierung der medizinischen Versorgung einbezogen werden kann. Perspektivisch könnten Qualitätsindikatoren auch bei der Finanzierung oder Steuerung ärztlicher Weiterbildung eine Rolle spielen.

Digitale Instrumente könnten nach Einschätzung der DGCH dabei eine wichtige Rolle spielen. Dr. Frederik Schlottmann, stellvertretender Sprecher des Perspektivforums Junge Chirurgie, verweist etwa auf elektronische Logbücher oder Weiterbildungsregister, mit denen Ausbildungsfortschritte bundesweit dokumentiert und vergleichbar gemacht werden könnten.

Für Krankenhäuser hat das Thema auch eine strategische Bedeutung. Eine transparente und strukturierte Weiterbildung kann die Attraktivität chirurgischer Fachrichtungen für den medizinischen Nachwuchs erhöhen. Professor Thomas Schmitz-Rixen, Generalsekretär der DGCH, betont, dass verlässliche Ausbildungsstrukturen entscheidend seien, um junge Ärztinnen und Ärzte für das Fach zu gewinnen.

International existieren entsprechende Systeme bereits seit Jahren. Länder wie Großbritannien, die Niederlande oder die USA nutzen digitale Logbücher, standardisierte Assessments und regelmäßige Evaluationen, um Weiterbildung und Versorgungsqualität enger miteinander zu verknüpfen. Die DGCH sieht in den vorgeschlagenen Qualitätsindikatoren daher einen möglichen Schritt hin zu einer transparenteren und stärker datenbasierten Weiterbildungskultur in der Chirurgie in Deutschland.

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