Bundesärztekammer kündigt Konsequenzen nach Vorwürfen beim Deutschen Ärztetag an
Ärztekammern wollen Schutzmechanismen und Verhaltensregeln gegen Machtmissbrauch stärken
Die Bundesärztekammer und sämtliche Landesärztekammern haben nach den Schilderungen von Medizinstudentinnen über Grenzverletzungen und Übergriffe auf dem 130. Deutschen Ärztetag eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Darin verurteilen die ärztlichen Körperschaften sexuelles Fehlverhalten, Machtmissbrauch und Diskriminierung ausdrücklich und kündigen strukturelle Konsequenzen an.
Die Vorwürfe gegen Teilnehmende des Deutschen Ärztetages hätten die Ärzteschaft „tief betroffen“ gemacht. Grenzüberschreitendes Verhalten sowie verbale oder körperliche Übergriffe seien mit dem Selbstverständnis des ärztlichen Berufs unvereinbar, heißt es in der Erklärung. Wer die persönliche Integrität anderer missachte, verletze grundlegende Werte ärztlichen Handelns wie Respekt, Verantwortung und Achtung gegenüber Mitmenschen.
Die Bundesärztekammer würdigte ausdrücklich den Schritt der betroffenen Medizinstudentinnen, ihre Erfahrungen bereits während des Deutschen Ärztetages öffentlich gemacht zu haben. Dies sei „mutig und absolut richtig“ gewesen. Nach Angaben der Ärztekammern sollen die Betroffenen weiterhin unterstützt werden, unter anderem durch die Möglichkeit unabhängiger juristischer Beratung. Die weitere Aufarbeitung der Vorfälle solle sich an den Wünschen der Betroffenen orientieren. Diese sollten selbst über weitere Schritte zur Aufklärung entscheiden können.
Die Debatte auf dem Deutschen Ärztetag habe nach Angaben der Bundesärztekammer deutlich gemacht, dass Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt auch im Gesundheitswesen vorkämen und nicht verdrängt werden dürften. Fehlverhalten müsse sichtbar gemacht, klar benannt und konsequent aufgearbeitet werden.
Als Konsequenz kündigen die Bundesärztekammer und die Landesärztekammern eine Überprüfung bestehender Regelwerke sowie den Ausbau von Schutz- und Präventionsstrukturen an. Vorgesehen sind unter anderem verbindliche Verhaltenskodizes für Veranstaltungen, entsprechende Regelungen in Satzungen und Geschäftsordnungen, Awareness-Konzepte für den Deutschen Ärztetag sowie unabhängige Ombudspersonen als niedrigschwellige Anlaufstellen für Betroffene.
Nach Angaben der Ärztekammern soll das Thema „Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung“ zudem ein Schwerpunktthema des kommenden Deutschen Ärztetages werden.




