Hartmannbund fordert Kulturwandel nach Berichten über Grenzverletzungen beim Deutschen Ärztetag
Ausschuss „Ärztinnen im Hartmannbund“ verlangt konsequente Aufarbeitung von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt
Der Hartmannbund hat nach Berichten über Grenzverletzungen und Übergriffe gegenüber Medizinstudentinnen im Umfeld des 130. Deutschen Ärztetages einen grundlegenden Kulturwandel im Gesundheitswesen gefordert. Der Ausschuss „Ärztinnen im Hartmannbund“ spricht sich für mehr Transparenz, konsequente Aufarbeitung von Machtmissbrauch sowie eine stärkere Anerkennung der Leistungen von Ärztinnen aus.
Auslöser der Stellungnahme sind Schilderungen von Medizinstudentinnen über unangemessenes Verhalten einzelner Teilnehmer des Deutschen Ärztetages. Der Hartmannbund bezeichnet die Vorfälle als „absolut inakzeptabel“ und unvereinbar mit dem ärztlichen Berufsethos.
Nach Auffassung des Verbandes dürfen Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung im Gesundheitswesen nicht verdrängt oder relativiert werden. Vielmehr brauche es transparente Strukturen und niedrigschwellige Anlaufstellen, an die sich Betroffene wenden können. Die Ausschuss-Sprecherinnen des Hartmannbundes betonen zudem die gesellschaftliche und fachliche Bedeutung von Ärztinnen im Gesundheitswesen. Dr. Dr. Galina Fischer verweist darauf, dass die Mehrheit der praktizierenden Ärztinnen und Ärzte in Deutschland mittlerweile weiblich sei und rund zwei Drittel der Medizinstudierenden Frauen seien. Ärztinnen trügen das Gesundheitssystem täglich maßgeblich mit – sowohl in der Patientenversorgung als auch in Forschung, Lehre und berufspolitischem Engagement.
Dr. Wenke Wichmann kritisiert in diesem Zusammenhang, dass Medizinstudentinnen und Ärztinnen weiterhin häufig auf klassische „Frauenthemen“ wie Schwangerschaft, Stillzeit oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf reduziert würden. Ärztinnen gestalteten die Medizin jedoch auf allen Ebenen aktiv mit – stationär, ambulant und in berufspolitischen Gremien.
Der Hartmannbund verweist darauf, dass bereits 2025 rund 43 Prozent der Delegierten des Deutschen Ärztetages weiblich waren. Ärztinnen brächten ihren Sachverstand insbesondere bei aktuellen Reformthemen wie Krankenhausreform, Digitalisierung, Ambulantisierung und Gesundheitsfinanzierung ein.
Der Ausschuss „Ärztinnen im Hartmannbund“ fordert daher eine gleichberechtigte Teilhabe an gesundheitspolitischen Entscheidungsprozessen. Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt müssten konsequent verurteilt und nachgewiesene Fälle entsprechend geahndet werden. Der Deutsche Ärztetag 2027 soll sich nach Angaben des Verbandes schwerpunktmäßig mit dem Thema befassen.




