Breites Bündnis fordert Hitzeschutz als Teil des Katastrophenschutzes
Mehr als 150 Organisationen warnen vor unzureichender Vorbereitung auf Extremhitze in Deutschland
Zum Hitzeaktionstag 2026 fordert ein breites Bündnis aus mehr als 150 Organisationen eine stärkere Verankerung des Hitzeschutzes in der Krisenvorsorge und im Katastrophenschutz. Unter den Unterstützern befinden sich zentrale Akteure aus dem Gesundheitswesen, darunter die Bundesärztekammer, der GKV-Spitzenverband, der Deutsche Pflegerat, die Deutsche Krankenhausgesellschaft sowie weitere Verbände aus Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft.
Im Mittelpunkt der gemeinsamen Erklärung steht die Warnung, dass Deutschland auf extreme Hitzelagen bislang nicht ausreichend vorbereitet sei. Szenarien mit über mehrere Tage anhaltenden Temperaturen von bis zu 44 Grad Celsius könnten nach Einschätzung der Initiatoren zu einer Überlastung von Rettungsdiensten, Notaufnahmen und Pflegeeinrichtungen führen. In besonders schweren Lagen seien auch großflächige Evakuierungen von Pflegeheimen nicht auszuschließen. In Studien werden zudem zehntausende hitzebedingte Todesfälle als möglich beschrieben.
Das Bündnis fordert daher, Extremhitze systematisch in bestehende Strukturen der Krisenvorsorge und des Katastrophenschutzes zu integrieren. Dazu gehören klare Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen, der Aufbau effektiver Schutzstrukturen für Risikogruppen sowie eine gezielte Stärkung des Gesundheits- und Pflegesektors für Hitzesituationen. Auch die Finanzierung entsprechender Maßnahmen müsse dauerhaft gesichert werden, um die Funktionsfähigkeit kritischer Infrastruktur bei Hitzewellen zu gewährleisten.
Die Initiative verweist zudem auf die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen infolge des Klimawandels. Besonders gefährdet seien ältere Menschen, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, Schwangere und Kinder. Gleichzeitig geraten Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Rettungsdienste zunehmend selbst unter organisatorischen und personellen Druck.
Prof. Dr. Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutsche Krankenhausgesellschaft, betont, dass sich Krankenhäuser stärker auf längere und intensivere Hitzeperioden einstellen müssten. Hitze sei das größte klimawandelbedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland und erfordere verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen, um notwendige Schutzmaßnahmen dauerhaft umzusetzen.
Auch aus der medizinischen Fachwelt wird der Handlungsbedarf unterstrichen. Vertreter der Bundesärztekammer und der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) verweisen darauf, dass bestehende Schutzkonzepte bislang nicht flächendeckend und verbindlich umgesetzt seien. Während für andere Großschadenslagen etablierte Krisenstrukturen existieren, fehle es für Hitzeereignisse vielfach an vergleichbaren organisatorischen Vorgaben.
Die Unterstützer des Hitzeaktionstags sehen in der Integration von Hitzeschutz in den Katastrophenschutz einen zentralen Baustein für mehr gesellschaftliche Resilienz gegenüber Extremwetterereignissen. Ziel sei es, gesundheitliche Risiken zu reduzieren, Todesfälle zu vermeiden und die Funktionsfähigkeit des Versorgungssystems auch unter extremen klimatischen Bedingungen sicherzustellen.




